Ich hatte eben ein wunderschönes und sehr bestätigendes Erlebnis. Die Nachbarsfreundin meiner Tochter (beide 7) übernachtet heute Nacht hier (sie schlafen jetzt). Meine Tochter war einfach eingeschlafen, während sich ihre Freundin noch wach in einem anderen Zimmer aufhielt und auf sie wartete (ohne zu wissen, dass meine Tochter längst schlief).
Meine Tochter war anscheinend so müde geworden, dass sie einfach “im Vorbeigehen” im Schlafzimmer eingeschlafen war (sie wollten eigentlich gemeinsam in einem anderen Zimmer auf der Couch schlafen). Von der Freundin aufmerksam darauf gemacht, weckte der Papa unsere Tochter, und trug sie zur Couch. Trotzdem war die Freundin total traurig und kam mit ihrem Frust darüber, dass meine Tochter eingeschlafen war, nicht zurecht.
Nun versuchte meine Tochter sich zu rechtfertigen, ihre Situation zu erklären, zu versuchen, durch Argumente ihre Freundin zu überzeugen, dass sie quasi gar kein Recht dazu hätte, jetzt traurig zu sein und zu weinen. Die Freundin aber weinte weiter und argumentierte auch.
Ich setzte mich dazu und fragte erst, was passiert sei. Ich folgte nicht meinem Impuls, zu erklären, warum meine Tochter nun eingeschlafen war und so weiter. Meine Tochter versuchte weiter zu argumentieren, während sie müde da lag und immer wieder sagte, wie müde sie sei und dass sie jetzt eigentlich schlafen wolle.
Ich hatte die Freundin auf dem Schoß genommen und sagte dann nur: “Ach weißt du was, das ist jetzt alles dumm gelaufen. Sie ist halt eingeschlafen, und es wäre toll gewesen, wenn sie Bescheid gesagt hätte oder so, aber… – wichtig ist, dass du jetzt traurig bist, und das ist völlig in Ordnung so. Dein Gefühl ist nicht falsch, du darfst ruhig so fühlen, und das ist völlig in Ordnung, weine nur, wenn du dich danach fühlst. Dein Gefühl ist richtig…”
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, welch Erleichterung wir alle in dem Moment gefühlt haben! Innerhalb von Sekunden beruhigte sie sich, auch meine Tochter fühlte offensichtlich keinen Drang mehr, sich dazu zu äußern. Ich fragte noch: “Was willst du denn jetzt?” (im Ton von: “was ist dein Herzenswunsch?”, ich wollte nur herausfinden, was sie quasi eigentlich wollte). Sie sagte. “Na, auch schlafen!” :)
Im Grunde hatten sie sich also irgendwie in eine Diskussion verfangen, obwohl sie beide das gleiche wollten: schlafen. Die Lösung war eigentlich einfach, aber sie kamen nicht dahin, weil sie diskutierten. Die Freundin musste sich für ihr Gefühl rechtfertigen, meine Tochter hatte das Gefühl, ihrer Freundin das schlechte Gefühl ersparen oder erleichtern zu können, indem sie ihr die Ursachen des Problems erklärte und gute Argumente vorbrachte. Die Freundin hatte aber eigentlich nur ein Problem: sie fühlte sich unverstanden und dadurch nur noch verzweifelter. Es war eine unheimliche Erleichterung für sie zu wissen, dass ihr Gefühl nicht falsch, und dass ihre Gefühlsregung (Weinen) genau richtig und entsprechend ihrem Gefühl legitim war und akzeptiert wurde.
Die Freundin legte sich alsbald hin und machte es sich bequem, sichtlich erleichtert. Dann widmete ich mich meiner Tochter, der ich nun sagte, auch ihr Verhalten sei richtig gewesen: “Und du, du bist halt einfach eingeschlafen – warst einfach müde und bist auch deinem Bauch gefolgt :) Macht ja nichts.”
Dann bemerkten sie Krümel im Bett und waren plötzlich hellwach :) Wir schüttelten das Bett aus und machten uns einen Spaß daraus, dann legten sie sich wieder hin und sind total glücklich eingeschlafen.
Das war so toll :) Es kann so einfach sein! Meine Strategie war ursprünglich gewesen, erst ihr Gefühl zu akzeptieren und ihr klar zu machen, dass ich ihr in der Hinsicht gar keinen Vorwurf mache. Von da aus wollte ich mit ihr gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Das hat sich im Endeffekt in Luft aufgelöst, schon allein, weil ich sie so ernst genommen habe, von vornerein.
Ich frage mich, wie viele Konflikte man hätte leichter lösen können, wenn man erst Mal die Gefühlsebene geklärt hätte… Wie leicht verfällt man der Versuchung, dem anderen erklären zu wollen, aus welchen überaus plausiblen Gründen er jetzt gerade eigentlich nicht sauer/traurig/enttäuscht sein dürfte…
Ich hoffe, ich kann in Zukunft häufiger und irgendwann automatisch immer daran denken, wenn so was ist.