Unerzogen-Treff in Frankfurt

Johanna, 31.07.2007

Seit einigen Jahren treffen sich Gleichgesinnte in Frankfurt, um Kontakte zu knüpfen und sich über unterschiedliche Ansätze rund um den respektvollen Umgang mit Kindern zu unterhalten – vom Continuum Concept bis zu Gleichberechtigten Eltern-Kind-Beziehungen.

Der nächste Treff findet am Dienstag, dem 7. August ab ca. 14.00 Uhr statt. Bei schönem Wetter im Palmengarten am Wasserspielplatz und bei schlechtem Wetter im Tolliwood.

Bei Interesse und für weitere Informationen bitte Kontakt aufnehmen unter:

PetraTresbachAAA(at)AAAt-online.de (As weglassen)

Unter dieser Adresse kann man auch in den Verteiler aufgenommen werden, um zukünftig von den Organisatorinnen automatisch eingeladen zu werden.

Wir freuen uns, diesen Treff nun auf diesen Seiten bekannter machen zu können. Auf weitere Treffs werden wir auch in Zukunft aufmerksam machen.

Unabhängigkeit vom TV-Programm

Johanna, 30.07.2007

Ich habe schon länger nicht mehr von unseren eigenen Erfahrungen berichtet, obwohl so viel passiert ist!

Zunächst möchte ich über das Fernsehen berichten. Seit August 2006 haben wir keine Einschränkungen mehr in Sachen Fernsehen gemacht. Ab und zu ergriff mich zwar schon die Panik, und ich habe Mal was gesagt, aber im großen und ganzen kann man sagen, dass wir gar nicht mehr eingeschritten sind.

Das “Aufholen” war dann doch sehr anstrengend für uns. Die ersten Monate hat unsere Tochter, damals 7 Jahre alt, wirklich nichts mehr gemacht, außer fern zu sehen. Da sieht man, was man überhaupt anrichtet! Sogar Freunde wurden weggeschickt; Angebote von uns, etwas gemeinsam zu unternehmen, wurden abgeschmettert. Das war schon ziemlich hart.

Danach hat sie nicht mehr soo viel fern gesehen, aber immer noch 3-4 Stunden pro Tag. Irgendwann ging uns die ständige Geräuschskulisse auf den Keks, sodass wir das Thema angesprochen haben. Der Fernseher und ihr Computer landeten nach langem hin und her in den “Medienraum”. Damit waren wir nicht besonders glücklich, weil nun Fernsehr und Computer gleichzeitig liefen, was mich zum Teil schon ziemlich kirre gemacht hat. Ab und zu bin ich reingegangen und habe gesagt, sie solle eins von beiden ausmachen – dabei habe ich mich aber auch nicht soo wohl gefühlt.

So ab April oder Mai 2007 war es schon deutlich besser. Fernsehen war nur noch ein Zeitvertreib für Langeweile. Freunde wurden (und werden noch) stets bevorzugt. Wir erleb(t)en Ärger darüber, dass Freunde bei uns lieber fernsehen als mit ihr zu spielen, weil sie das zu Hause nicht so uneingeschränkt dürfen. Der Apparat war zwar immer noch 3-4 Stunden oder länger an, aber oft nur noch so im “Hintergrund”, während sie was anderes spielte, so als “Kassette” und um zu wissen, was läuft. Wenn was Interessantes lief, ging sie halt hin. Angebote von uns wurden aber zunehmend angenommen, der Fernseher dafür ausgemacht (zu anfangs erst “nach der Serie”, dann auch mittendrin). Sie selbst startete einige Versuche, anderen Aktivitäten (Kunstwerkstatt, Glasbläserei) nach zu gehen, die leider oft zufällig gescheitert sind, aber es war ein Anfang. Diese Entwicklung war schon sehr beruhigend und bestätigte uns in unseren Entscheidungen.

Doch dann fing der Kleine (zur Zeit 22 Monate) auch an, mitzugucken, was für mich zwar kein Problem an sich ist, aber mir bereitete Sorgen, dass meine Tochter quasi “für ihn” den Fernseher an lies, während sie Computer spielte oder so. Sie stellte ihn regelrecht da ab, weil sie dann in Ruhe spielen konnte. So lief der Fernseher eine Weile wieder den ganzen Tag und mich nervte, dass ich gar keinen Überblick darüber hatte, wie viel sie nun wirklich TV konsumierte – ja, ihr habt mich ertappt, auch ich mache mir manchmal Sorgen und wollte gerne den TV-Konsum wenigstens beobachtend kontrollieren, ich darf doch Mal normal sein? ;)

Ich habe schon immer geahnt, dass die Selbstregulierung in Sachen Fernsehen nicht so gut klappen kann, wenn man abhängig vom den Sendezeiten ist: bestimmte Serien kommen nur zu bestimmten Zeiten, man kann nicht selbst wählen, wann man was gucken will. Oft wollte sie zwar schon gerne mit mir in die Stadt, aber sie hatte Angst, ihr Programm zu verpassen. Sie war immer noch “fremdbestimmt”, wenn auch nicht durch uns.

Diese Angst vor dem Verpassen schien mir gar nicht so “echt”. Ich glaube, wir haben das hervorgerufen, indem wir das Fernsehen früher kontrolliert und eingeschränkt haben. So hatte sie schon damals ständig das Gefühl, was zu verpassen, und selbst als sie freien Zugang hatte, behielt sie dieses Gefühl (zwar nicht ganz zu unrecht, eben wegen der Sendezeiten, aber kam mir trotzdem künstlich vor).

Obwohl ich es anderen Eltern immer rate, haben wir es nie geschafft, uns um einen funktionierenden Videorekorder zu kümmern, bis wir vor kurzem The Tube entdeckt haben. Das ist ein kleines USB-Gerät, dass Fernsehen empfängt und in den Computer überträgt. Das tolle: Man kann damit die Programme einfach digital aufnehmen und später angucken. Man kann sogar etwas aufnehmen und während der Aufnahme schon anschauen, also zeitversetzt. Schade nur, dass man (noch) keine Aufnahmen programmieren kann. Wie auch immer – das Ding wurde installiert, nach ein paar Tagen durfte das Fernsehgerät in den Keller – “Jetzt kann ich ja sowieso immer alles aufnehmen”.

Was passierte? Zunächst spielte sie am PC und schaute gleichzeitig fern, das Fernsehprogramm in einem “kleinen” Fenster am Bildschirmrand :D Clever, die Kleine. “Sie lernt Multitasking”, beruhigte ich mich… ;)

Und jetzt plötzlich, ein Woche später, ist sie völlig losgelöst. Offenbar reicht allein das Wissen um die Möglichkeit, dass man immer fernsehen kann und nie was verpassen wird, was man gerne sehen wollte, um sich wirklich davon zu befreien. Ich empfehle also hiermit allen Eltern, die beim Loslassen des Fernsehens Probleme haben, sich ein digitales Aufnahmegerät (es gibt so ne Art Festplatten-Videorekorder) bzw. einen Fernseh-Stick zu besorgen, oder wenigstens einen Videorekorder, um den Kindern echte Unabhängigkeit vom Fernsehprogramm zu ermöglichen. Das raten die Unschooler in den englischen Mailinglisten auch immerzu, die haben aber dort noch was viel tolleres: TiVo, damit kann man vom Programm selbst wählen, was man wann guckt, ohne es aufnehmen zu müssen, allerdings ist das kein kostenloser Service, sondern Pay-TV.

Zur Zeit schaut sie überhaupt kein Fernsehen mehr, sondern nur noch ihre Lieblingsfilme, die wir auf DVD haben, bzw. selbst ausgesuchte Filme aus der Videothek (zur Zeit überwiegend Mangas, wovon sie nun auch Comic-Bücher liest). Geschätzte Zeit im Durchschnitt: 1-1,5 Stunden pro Tag, werbefrei und selbstbestimmt.

Ich bin ehrlich gesagt total überrascht und zugleich begeistert. Selbst wenn sie wieder 5 Stunden pro Tag schauen würde – ich wüsste, es ist weder eine Entscheidung aus der anerzogenen Angst heraus, etwas zu verpassen, noch eine Maßlosigkeit aufgrund von frührerer Kontrolle, noch eine Art Abhängigkeit von den Entscheidungen der TV-Sender, sondern einzig und allein ihre freie Entscheidung.

Ich fühle mich regelrecht selbst befreit! Wahrscheinlich ist die Last der Verantwortung von mir gefallen, diese manchmal doch hervorlukende Angst, es könnte sich doch als Fehler erweisen, ihr uneingeschränkten Zugang zu den Medien zu gewähren. Phew, noch Mal gut gegangen ;)

Unerzogen-Stammtisch in Leipzig

Johanna, 30.07.2007

... fällt im August aus! Wer sich doch noch treffen mag – ihr könnt ihr in den Kommentaren was miteinander ausmachen.

Bis September!

3. Unerzogen-Stammtisch in Berlin (Picknick)

Johanna, 28.07.2007

Die Berliner treffen sich am 31. Juli im Humboldthain neben dem Eisenbahnspielplatz um 16:30.

Stadtplan
...etwa an der Stelle, wo im Stadtplan “Volkspark” steht.

Bei Regen oder dicken Wolken bitte Lisa anrufen (Nr. schicke ich per Mail, meine Mail ist e.maenzel (at) gmx. de) – Ausweich auf Privatwohnung ist möglich.

Wegbeschreibung von der S-Bahn Humboldthain aus: rechts aus der S-Bahnstation raus, über die S-Bahn-Brücke, beim Zebrastreifen Strassenseite wechseln, den Weg links in den Park rein, dann immer geradeaus. Das Schwimmbad lasst ihr links liegen, vor dem Spielplatz mit der Spieleisenbahn in der Mitte rechts auf die Wiese, ich bin ab 13:00 unter dem nächsten freien Baum.

Kinderwagenalleinfahrer sollten lieber die S-Bahn-Station Gesundbrunnen nehmen, da es dort einen Fahrstuhl gibt, beim Humboldthain ist keiner und eine lange Treppe (aber meistens findet sich trotzdem jemand, der tragen hilft).

Wegbeschreibung von S-Gesundbrunnen aus: an der Ampelkreuzung Brunnenstr./Behmstr. über die Strasse, die Brunnenstrasse Richtung Süden runterlaufen, über die Bahnbrücke, dann kommt ein gepflasterter Weg, der ist es nicht. Den ersten grossen Weg in den Park rein, und dann immer geradezu. Im Zweifelsfall fragt ihr nach dem Eisenbahnspielplatz neben dem Schwimmbad.

Bitte bringt Picknick-Versorgung mit!

Viel Spaß!
Lisa

Unerzogen Magazin