The Laptop Club

Maurice, 20.11.2007

Kinder einer Montessori-Schule basteln ihre eigenen Laptops. Schaut euch vor allem die Fotos und die teilweise sehr kreativen Tasten-Ideen an. So finden sich dort z.B. extra Tasten für Emoticons, das iPhone oder eine für Freunde und eine für die Familie.

Kinder Laptop

(Bildquelle: http://www.themorningnews.org)

Was mein Sohn alles nachmacht

Johanna, 18.11.2007

Als meine Tochter (heute 8) klein war, ist mir bestimmt auch schon aufgefallen, wie viel sie so von uns Erwachsenen nachmacht. Aber mehr noch viel mir auf, was sie nicht nachmachte oder wo ich noch erziehen müsste, jedenfalls so zunehmend, dass ich immer mehr darauf achtete und mich heute nicht mehr so richtig daran erinnern kann, ob ich jemals darauf geachtet habe, wie sehr sie einen eigenen, natürlichen Trieb hat(te?), uns alles nachzumachen, sich wie Menschen in unserer Kultur zu verhalten.

Jetzt jedenfalls fällt es mir bei meinem Sohn (2) sehr auf und zwar sogar bei den unglaublichsten Kleinigkeiten, die so unwichtig zu sein scheinen, dass ich mich immer frage, wie das anderen nicht auffallen kann?

Offenbar hat bei mir eine Verschiebung der Perspektive stattgefunden. Je mehr ich darauf achte, desto mehr erwarte ich dieses Verhalten auch von meinem Sohn. Meine neue Erwartungshaltung produziert natürlich auch eine geänderte Kommunikation, eine geänderte Behandlung, die mein Sohn auch spürt.

Im Gegensatz zu vielen Kindern, die zwischen den ausgesprochenen Erwartungen einerseits (“Du sollst mit der Gabel essen”) und den nicht ausgesprochenen Erwartungen bzw. den Erwartungen “zwischen den Zeilen” andererseits hin und her gerissen sind, ist mein Sohn nur einer Erwartungshaltung ausgesetzt: Dass er sowieso alles nachmacht, was wir vorleben und für ihn wichtig ist, und wir eh keine Erziehung benötigen. (Zur Erklärung: “Wenn du nicht mit der Gabel isst, dann gibt es keinen Nachtisch”, impliziert z.B., dass man nicht daran glaubt, dass es von alleine mit der Gabel essen würde und zeigt deutlich, dass man erwartet, dass das Kind sich hier “fehl verhalten” wird.)

Schon lange will ich hier Mal sammeln, was mir so an unglaublichem Kopierverhalten auffällt. Gerade solche unwesentlichen Kleinigkeiten, aber auch wesentliche “Wichtigkeiten” zeigen mir/uns immer wieder, dass wir vollkommen auf dem richtigen Weg sind.

  • Er sagt: “Bitte” schon seit er 15 Monate alt ist oder so.
  • Er sagt: “Danke”, auch schon sehr lange und zwar wirklich immer wenn es auch allgemein gesellschaftlich erwartet werden würde.
  • Er sagt: “Gesundheit”, immer wenn jemand niest.
  • Wenn man dann daraufhin “danke” sagt, sagt er ”...schön!” (seine Form von “Bitteschön”)
  • Er sagt: “Gesundheit”, wenn er selbst niest und niemand Gesundheit gesagt hat (quasi als Aufforderung/Erinnerung?). Wenn man dann “Gesundheit” sagt, antwortet er mit “danke”.
  • Er sagt ”...schön!”, wenn er etwas abgibt.
  • Als ich Mal große Bettwäsche nirgends außer über eine unserer großen Türen hängen konnte, mich dabei auf einen Stuhl setzte und nach meinem Freund rief, damit er mit zu Hilfe käme, stand mein Sohn prompt mit mir auf dem Stuhl und rief nach meinem Freund (per Name, statt “Papa”!)
  • Egal was meine Tochter beim Essen sagt, er sagt es nach.
  • Morgens wenn Papa ihm sagt, er soll mich mal wecken, weckt er mich haargenau so, wie es mein Freund macht: sagt: “Aufi” (für Aufstehen), tippelt mit einem Finger auf meine Schulter und zieht dann meine Bettdecke weg! (Frechheit!)
  • Er putzt dem Papa dem Mund ab, genau wie Papa das bei ihm macht.
  • Wenn jemand weint, egal ob erwachsen oder klein, geht er hin und sagt das, was in unserer Familie gesagt wird: “Ohh, was ist denn los?” (bei ihm eher: “Ohh, waselalalaLOS?” und streichelt über den Kopf und tröstet, umarmt.
  • Er will unbedingt auf dem Fahrersitz (und darf das auch wenn es möglich ist) und spielt gerne Autofahren, macht alles an und aus, benutzt das Radio…
  • Er sagt genau das Selbe wie wir, wenn Flüssigkeit verschüttet wird.
  • Wenn das Telefon klingelt und er es schafft, vor uns ranzugehen, geht er hin und sagt ”...mann?”, seine Version von meinem Nachnahmen, so gehe ich auch ran.
  • Er läuft mit dem Telefon genauso beim Sprechen rum, wie ich das mache und macht echte Gespräche nach.
  • Er isst mit Messer und Gabel (so gut er kann, gibt dann meistens auf und isst doch mit dem Löffel aber er versucht es jedes Mal wieder).
  • Wenn einer von uns rülpst, muss er unbedingt auch.
  • Wenn hier irgendeiner jemanden anderes ruft, kann es gut sein, dass er mit ruft.
  • Er benutzt(/will benutzen) den Drucker, den Fotoapparat, die Gitarre, Kaffeemaschine, den Labelmaker und andere Büroutensilien.
  • Er macht nach, wenn man bei Star Trek die Anfangsmusik mitsingt.
  • Er lacht lauthals mit, wenn man bei einem Witz lacht, auch wenn er den Sinn nicht verstanden haben kann.
  • Er will sich auch anziehen, wenn wir rausgehen, genau wie wir (Schuhe, Jacke etc.)
  • Er kocht mit, wenn er Lust hat und macht dann alles genauso, wie ich es mache.
  • Er spielt mit der Mikrowelle (an- und ausmachen, Tür auf, Tür zu)
  • Er “spielt” mit, wenn hier einer mit der Wii spielt (die Controller kann man in der Luft bewegen, diese Bewegungen werden in das Spiel integriert und er macht diese Bewegungen nach).
  • Neulich habe ich auf der Couch mit dem Laptop gesessen und bin dann kurz aufgestanden. Ich wusste, dass er gleich kommt, und mit dem Laptop spielt, das nahm ich in Kauf, weil ich wirklich nur ganz kurz weggehen würde, es war alles gespeichert und nichts konnte passieren. Als ich wieder kam, hätte ich das am liebsten fotografiert. Er saß da, genau wie ich, mit dem Laptop auf dem Schoß und guckte konzentriert auf den Monitor! und “tippte” will, genau wie ich :D Das war so süß.
  • Er “putzt” Zähne. (Na gut, er isst auch Zahnpasta ;) Wir haben extra Zahnpasta ohne Fluor gekauft, weil er so viel davon isst.)
  • Er geht ins Bett, wenn wir ins Bett gehen. Manchmal will er noch nicht, aber er kommt trotzdem nach ein paar Mal hin und her gehen.
  • Er hat schon immer mit uns gebadet, auch Mal alleine. Ich habe das Gefühl, weil wir auch baden (eher als duschen), ist das ganz normal für ihn (und nicht ein Problem, wie es etwa mit meiner Tochter früher war.
  • Er “liest” Zeitschriften auf dem Klo, wenn er sich Mal da drauf setzt. Oder wenn ich drauf sitze und dabei lese, will er auch eine Zeitschrift oder ein Buch haben.
  • Er will bei der Spülmaschine und bei der Waschmaschine mitmachen und spielt da ausgiebig. Ebenso beim Herd, wobei er mehr Respekt davor hat, er weiß, dass das heiss ist.
  • Er hat selbst angefangen, sich für das Schneiden mit Schere zu interessieren.
  • Heute habe ich meine Kartoffeln mit der Gabel geschnitten, weil ich nur eine Hand frei hatte (er war auf meinem Schoß.) Das wollte er dann auch. Es ging mit seiner Gabel nicht (auch eine große, aber anderes Modell als meine). Dann wollte er meine, weil er sah, dass es mit meiner ging. Es ging auch nicht, dann hat er länger geübt und es dann irgendwann doch geschafft.
  • Manchmal will er nichts essen, aber wenn er sieht, dass wir essen, will er doch.
  • Wenn wir was trinken, will er auch.
  • Er will mit der Sprechanlage die klingelnden Leute begrüßen und reinlassen (das macht er auch). Er macht die Tür dann auf und ruft “Hallo!” ins Treppenhaus, genauso sagt er dann auch freundlich “Tschü-üss!”, wenn sie wieder gehen (z.B. der Postbote mit einem Paket). Manchmal sagt er auch “Wer ist da?”, weil ich das auch manchmal sage.
  • Wenn wir unterwegs sind und nach Hause kommen, will er immer klingeln und dann soll jemand rangehen und Hallo sagen und so weiter, bis jemand aufmacht.
  • Er bringt Abfall (z.B. Verpackungen) in den Müll, obwohl ihm das nie wirklich jemand gezeigt hat.
  • Bei Straßenende hält er an und guckt nach links und rechts und geht erst dann (vergisst es aber manchmal, macht es aber sofort, wenn ich einfach dran erinnere).
  • Er geht in Geschäfte rein und sagt irgendwas (als ob er was kaufen wollte). Manchmal hat er “Erfolg” und bekommt etwas von den Verkäufern geschenkt ;)
  • Er begrüßt jeden freundlich (Hallo), und uns Familienmitglieder eher umgangssprachlich, etwa wie es meine Tochter macht: “Hey/Hi, Mama!” (ich weiß nie, ob es eigentlich Hey oder Hi heißen soll ;)
  • Hier fliegt so ein Gitarren-Stimmgerät herum, das hat er Mal angebracht und dachte sich schon, dass man damit was machen kann. Da ich keine Gitarre zur Hand hatte, erklärte/zeigte ich, dass man mit dem Mund Töne machen kann, und dann leuchten die Lämpchen. Das hat er gleich ganz süß in mehreren Tonlagen nachgemacht :)
  • Er sagt wie wir “Hör auf” und hört auch meistens auf, wenn wir das sagen; genauso wie wir (auch nur meistens) aufhören, wenn er das sagt.
  • Wenn er sich irgendwo gemütlich hinlegt oder hinsetzt, gibt er einen Seufzer wie von um-die-30-Jährigen, die langsam anfangen zu seufzen, wenn sie sich irgendwo hinsetzen, um sich von der Arbeit auszuruhen ;)
  • Neulich haben wir beobachtet, wie er mit dem Wasserkessel Pflanzen gegossen hat (wir machen es mit der Gießkanne, aber er kam wohl nicht ran).
  • Er will immer mit kehren und staubsaugen, nass wischen.
  • Wenn wir abends unser Abendritual beendet haben sagt er seit Neuestem: “Soo! yadadaBETT!”, genau wie wir (eher scherzhaft) die Tage davor angefangen zu sagen hatte: “Soo, jetzt gehen wir ins Bett!”

    Insgesamt habe ich erst mit ihm verstanden, warum man sagt, dass Kinder so viel “Freude” ins Haus bringen. Ich habe wirklich früher daran gezweifelt, bzw. dachte das wäre so “theoretisch” gemeint, praktisch hatte ich nur Stress jeden Tag und wenig Freude. Heute ist das ganz anders und ich genieße das sehr (das heißt nicht, dass ich nicht auch manchmal genervt oder gestresst bin!).

    Mir ist schon klar, dass das nicht ewig so weiter gehen wird. Es gibt natürlich auch viele Dinge, die er ganz alleine erfunden hat oder Dinge, die er noch nicht nachmacht (und vielleicht auch nie nachmachen wird). Aber es zeigt mir ganz deutlich, dass er genau das lernt, was er für sein Leben gerade braucht, nützlich oder witzig/cool oder was auch immer – eben wichtig – findet, und dass das einfach so weiter gehen wird. Warum sollte das irgendwann aufhören? Warum sollte ich irgendwie eingreifen, wenn schon so viel so Unerwartetes von ganz von alleine kommt (z.B. hätte ich nie gedacht, dass ein Kind gerade Danke, Bitte und Gesundheit ganz von alleine sagt.)

    Ich werde die Liste immer wieder Mal erweitern, wenn mir was Neues auffällt.

Vortrag: Kinder als Grundeinkommensbezieher (Martin Wilke)

Johanna, 18.11.2007

Im Oktober hat Martin Wilke bei der Berliner Initiative “Bedingungsloses Grundeinkommen” einen Vortrag über “Grundeinkommen und Demokratische Schule” gehalten.

Beim November-Treffen wird nun Markus Jensch einen Vortrag über “Kinder als Grundeinkommensbezieher” halten.

Vielleicht hat ja jemand von Euch Lust zu kommen:

Termin: Dienstag, 20.11.2007, 18.00 h
Ort: Schule für Erwachsenenbildung (SfE) im Mehringhof; Gneisenaustr. 2a, Berlin-Kreuzberg
U-Bahn: U6/U7 Mehringdamm

Im Anhang noch das Thesenpapier.

Kinder als Grundeinkommensbezieher

Unerzogen Magazin