Manipulation vs. Zwang

Anuschka, 10.09.2010

Aus der unerzogen Mailingliste gefischt:

Ist beim Zähneputzen sanfte Manipulation offenem Zwang vorzuziehen?

Anuschkas Antwort:

Ich versuche es mal theoretisch aufzudröseln und beginne mit dem “Werkzeug” Manipulation. Zu Manipulation geht mir (zunächst mal losgelöst von der praktischen Ebene) folgendes durch den Kopf:

Manipulation definiert sich dadurch, dass der Manipulierende den Manipulierten absichtlich beeinflusst, um zu erreichen, dass dieser in bestimmter Weise denkt und handelt, ohne dass dieser es merkt.

Für mich entscheidend ist dabei, dass der Manipulierende so handelt, dass der Manipulierte nicht merken soll, dass er manipuliert wird und seine Strategie genau darauf ausrichtet sowie, dass der Manipulierende die Art und Weise definiert, wie der Manipulierte sein, handeln oder denken soll. Letzteres ist für mich wesentlicher Bestandteil einer erzieherischen Haltung.

Die Werbung setzt z. B. bewusst Manipulation ein und die Menschen denen das bewusst ist, empfinden das als unangenehm und vor allem unehrlich. Die Werbung wirkt dann auch nicht mehr. Die Werbung sagt nicht vor dem Spot: Hey, ich will mein Produkt verkaufen und deswegen habe ich einen Spot entwickelt, der dich dahingehend beeinflussen will, dass Du denkst, Du bräuchtest mein Produkt, obwohl das gar nicht so ist. Die Werbeindustrie wird als unlauter, skrupellos etc. empfunden.

Wenn ich für mich erspüre, was Manipulation mit mir persönlich macht, dann würde ich den offenen Zwang der Manipulation vorziehen. Ich finde die Vorstellung, dass sich jemand überlegt, wie er mich ohne mein Wissen, also hinter meinem Rücken zu einer Handlung oder einer Denkweise bewegen kann, die ich überhaupt nicht möchte als seelisch gewaltvoll und vor allem fühle ich mich hintergangen. Allein die Tatsache, dass ein anderer so über mich (nach)denkt, fühlt sich erzieherisch und scheiße an. Durchschaue ich die Manipulation, fühle ich mich erniedrigt, für wie doof mich mein Gegenüber hält, dass ich auf eine solche Manipulation hereinfalle. Manipulation ist für mich durch und durch unehrlich.

Zwang ist natürlich auch scheiße, zumindest aber ehrlicher. Ich weiß dann woran ich bin und kann mich zur Wehr setzen. Manipulation ist dahingehend sogar auf ganz vielen Ebenen unfair, gemein und ungleichberechtigt, denn der Manipulierende erreicht nicht nur, was er will, sondern er erreicht es auch, ohne die eigene Position ehrlich benennen zu müssen, ohne Zwang einzusetzen, er umgeht den Konflikt, er verwischt seine eigentliche Haltung dem Manipulierten gegenüber.

Kindern gegenüber kommt eine weitere Dimension dazu. Kinder können aufgrund ihrer Erfahrungen und aufgrund des Abhängigkeitsverhältnisses weniger gut erkennen, ob sie manipuliert werden. Das macht es Ihnen gegenüber noch gemeiner.

Je mehr ich so darüber nachdenke, finde ich Manipulation (so wie ich sie oben definiert habe) eigentlich völlig inakzeptabel innerhalb einer Beziehung und ich glaube auch, dass sie schädlich für die Beziehung ist.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Vergangenheit: In einem ehemaligen Arbeitsverhältnis hat es mein damaliger Arbeitgeber geschafft, dass ich dachte, selbst davon überzeugt zu sein, Überstunden machen zu müssen, dass ich die viele Arbeit brauche, um mich erfüllt und glücklich zu fühlen. Er hat dies manipulierend gemacht, indem er mich einem Mix aus Lob und Tadel aussetzte und mir immer wieder ein schlechtes Gewissen gemacht hat. Während das funktionierte, habe ich ihn sehr nett gefunden, habe das Arbeitsverhältnis als sehr vertrauensvoll und ehrlich empfunden. Später, als ich seine Taktik für mich durchschaut hatte und endlich spürte, dass mir die viele Arbeit nicht gut tut, hat dies rückwirkend das Vertrauensverhältnis zerstört. Dass er eine solche Haltung mir gegenüber einnahm, empfand ich als sehr unangenehm, ich fühlte mich ausgenutzt. Mein Wohlergehen war ihm eigentlich die ganze Zeit egal gewesen. Das fühlte sich scheiße an und ich habe letztlich das Arbeitsverhältnis beendet und mir vorgenommen, mich so nicht mehr behandeln zu lassen und Menschen zu meiden, die eine solche Haltung mir gegenüber einnehmen.

Spannend ist auch: Wie fühlt sich Manipulation für einen Erwachsenen an, wenn er die Rolle des Manipulierten hat?

Jetzt zurück zur Eltern-Kind-Beziehung. Nun gibt es (hoffentlich) einen Unterschied zwischen der Werbeindustrie und Eltern. Der Werbeindustrie (und meinem ehemaligen Arbeitgeber) ist unser Wohlergehen wurscht, sie will Umsatz machen, deswegen setzt sie Manipulation ein.

Das Elternteil möchten im Zahnputzbeispiel durch die Manipulation erreichen, dass es seinem Kind wohl ergeht, es gesund bleibt und keine Karies bekommt und/oder es möchte keinen Zwang anwenden (müssen), um das Ziel Kariesvermeidung zu erreichen (mit Gewalt putzen), weil Zwang/Gewaltanwendung als (noch) schädlicher für die Beziehung empfunden wird als Manipulation. Gleichzeitig steht das Ziel Kariesvermeidung/ Gesundheitserhaltung nicht zur Diskussion.

Die Frage zu beantworten, ob es (immer vorausgesetzt, dass die Entscheidung lautet: Zähne putzen oder welches Ziel auch immer MUSS erreicht werden) für ein junges Kind weniger schädigend ist, sanft manipuliert zu werden durch Tricks oder offen gezwungen zu werden, finde ich extrem schwierig zu beantworten. Letztlich muss das jeder Elter mit sich selbst ausmachen.

Aber z. B. bei den “Tricks” lohnt es sich, genau hinzusehen. Auch wir haben zu Hause verschiedene Sorten Zahnpasta, viele verschiedene Zahnbürsten, es kann überall in der Wohnung geputzt werden, wir laden zum Zähneputzen ein, wir bitten darum, wir nerven auch mitunter damit, wir informieren, machen immer wieder deutlich, dass wir Angst haben, dass die Zähne unseres Sohnes (3,5) kaputt gehen und ihm dann weh tun, es teuer ist, das wieder zu reparieren etc. Wir haben gemeinsam einen Film geschaut, damit ihm klar wird, warum wir glauben, Nichtputzen mache die Zähne kaputt und gerade bei viel Zuckerkonsum könnte das Kaputtgehen schneller gehen.

Aber der für mich wichtige Unterschied ist: Wir spielen mit offenen Karten. Wir sagen dem Kind offen, dass wir ihn mit den o. g. Handlungen/Infos dazu bringen möchten, Zähne zu putzen oder ihm das Zähneputzen für ihn attraktiver zu gestalten, weil ICH Angst habe, dass seine Zähne kaputt gehen.

Ich werde kreativ und versuche Umstände zu schaffen, die es ihm leichter machen, sich für das Zähneputzen zu entscheiden. Ich appelliere an sein Vertrauen mir gegenüber. Das ist für mich keine Manipulation (und damit auch keine Erziehung). Natürlich versuche ich, ihn zu beeinflussen, ihn zu überzeugen, aber ich tue dies offen, meine Intention ist dem Kind bekannt. Und Kind kann sich TROTZDEM gegen Zähneputzen entscheiden, was er auch oft genug tut. Ich finde das oft genug scheiße, aber es ist halt so.

Kürzlich nervte ich meinen Sohn und brabbelte vor mich hin, dass ich ja auch Zähne putze und ich es doof finde, dass er es nicht macht, und es ja schnell geht und ich ja auch helfe meckermecker und darauf sagte er zu mir: “Du bist Du und ich bin ich, ich will jetzt nicht, ich putze morgen!” Solche Antworten zeigen mir, dass ich – würde ich ihn zwingen – einfach total krass in seine persönliche Freiheit eingreifen würde, was unsere Beziehung nachhaltig schädigen würde.

Er hat tatsächlich an nächsten Tag geputzt und mich auch darauf hingewiesen. Ich arbeite gerade daran, ihn nicht mehr vollzulabern, sondern loszulassen. Das würde uns beiden gut tun. Er würde wahrscheinlich sogar ÖFTER putzen.

Was mir beim Schreiben gerade klar wird: Es ist für mich die grundsätzliche Entscheidung für Ehrlichkeit, mich GEGEN Manipulation zu entscheiden. Ob sanft oder krass ist mir in dem Zusammenhang egal. Wenn ich mir vorstelle, dass mein Sohn irgendwann zu dem selben Schluss mir gegenüber kommt, wie ich meinem ehemaligen Arbeitgeber… grusel!

“Manchmal muss man erziehen”

Johanna, 21.05.2010

Da sich rationales Denken im kindlichen Gehirn erst ab dem fünften Lebensjahr erst entwickelt [wahlweise anderes Alter einsetzen] und die Eltern gegenüber dem Kind Verantwortung tragen und eine Fürsorgepflicht haben; da die Umsetzung in vielen Fällen nicht mit “vernünftigen” Erklärungen erreicht werden kann; da die Eltern auch Bedürfnisse haben; und da wir in Kleinfamilien leben, also wenig Unterstützung und häufig viel Arbeit oder Stress haben, ist es nun mal nicht immer machbar, in allem auf das Kind respektvoll und nicht-erzieherisch einzugehen. Je nach Situation sind die Eltern oft gezwungen, ihren Kindern Entscheidungen abzunehmen, gegen deren Willen und im schlimmsten Fall sogar durch den Einsatz von Macht oder Manipulation.

Ich finde, das ist eine gut ausgeklügelte Rechtfertigung dafür, dass man die Kinder also erziehen darf – so manchmal, so ein bisschen.

Warum „müssen“ wir Macht und Manipulation einsetzen – warum „müssen“ wir nicht stattdessen z.B. in eine Hausgemeinschaft ziehen, ein Ökodorf gründen, auswandern oder in eine kinderreiche Nachbarschaft umziehen, uns Babysitting oder Elternteams organisieren, damit wir es schaffen, oder sonst wie Bedingungen schaffen, wo das nicht mehr „nötig“ ist?

Ich meine: Wenn wir schon „müssen“ und das so „schön“ zu rechtfertigen wissen, dann kann man ganz andere „Müssens“ einsetzen, die im Grunde viel logischer oder zumindest kindgerechter wären.

Natürlich hat so ein Text in gewisser Weise recht: Wir leben in Kleinfamilien und ungünstigsten Lebensbedingungen für ein respektvolles Miteinander. Es ist häufig so, dass wir uns in der einzelnen Situation “gezwungen” fühlen, und es ist definitiv ein Ist-Zustand.

Aber wir fühlen uns nur gezwungen, wir müssen nur in lebensbedrohlichen Notfällen Macht einsetzen (mir fällt kein Notfall ein, bei dem Manipulation die bessere Wahl wäre, aber vermutlich gibt es irgendwelche Ausnahmen, die man sich ausdenken kann).

Wir haben immerhin gewählt, in der Kleinfamilie zu leben – viele haben das aber eben nicht! Es ist also möglich! Sonst gäbe es ja auch keine Ökodörfer, extra gegründete Dorfgemeinschaften, es formierten sich zur Zeit nicht etliche Hausgemeinschaften oder WGs etc.

Die Bedingungen, die uns zu manipulativen bzw. erzieherischen Handlungen (angeblich) “zwingen” kann man höchstens als Ist-Zustand darstellen, mit dem man (erstmal) zurecht kommen muss – man KANN aber auf jeden Fall jeden Tag etwas dafür tun, dass sich dieser Ist-Zustand ändert.

Sich nichts vormachen, das finde ich sehr wichtig: Wenn wir erziehen, dann nicht weil wir „müssen“, sondern weil wir gewisse Lebensumstände so oder so gewählt haben. Es so wie oben darzustellen, schiebt die Verantwortung weg: “ja wir ‘müssen’ halt”. So wie wenn man einen Befehl kriegt, und man dann angeblich „nichts machen“, auch wenn es noch so ein unmoralischer Befehl war – war ja ein Befehl von oben.

Ich sage nicht, dass ICH es schaffe, auf Macht und Manipulation total zu verzichten. Bei mir ist es so, dass mir die Kleinfamilie arg zusetzt – aber dann zu sagen, “ja ich muss ja”, und mich damit wohl zu fühlen, das kann ich nicht. Ich denke dann, ich mache es (Ist-Zustand), da es aber eben Mist ist, sehe ich zu, dass ich diesen Umstand ändere. Das dauert bei mir nun schon knapp vier Jahre! Und wenn es noch weitere vier dauert, dann war das lang, aber es wird sich trotzdem noch lohnen.

Eine solche Änderung kann bei jeder Familie andersaussehen, ich denke “Entlastung” ist das Stichwort: Putzhilfe, Putz-Ring mit Freunden, Hausgemeinschaft, WG, Ökodorf, Gemeinschaft, Auswandern oder umziehen dorthin, wo es Gleichgesinnte gibt, Freunde finden, anderen helfen, um selbst Hilfe zu bekommen, Kindergarten, Rockzipfel, Babysitting in Anspruch nehmen, oder weiß der Kuckuck.

Erst, wenn man alles unternommen hat, um all diese Möglichkeiten zu testen oder hinzukriegen, und es hat NIX geklappt, dann kann man sagen: “Ich musste, es ging sonst einfach nicht”. Es von vorne herein auf den Tisch zu legen für alle als bequeme Rechtfertigung, davon halte ich nichts.

Oliver Heuler erklärt Antipädagogik

Johanna, 18.12.2008

Großartig!

Jenseits von Zuckerbrot und Peitsche By Oliver Heuler
View in HD  Download 720p HD Version  Visit Oliver Heuler’s ExposureRoom Videos Page

Was mein Sohn alles nachmacht

Johanna, 18.11.2007

Als meine Tochter (heute 8) klein war, ist mir bestimmt auch schon aufgefallen, wie viel sie so von uns Erwachsenen nachmacht. Aber mehr noch viel mir auf, was sie nicht nachmachte oder wo ich noch erziehen müsste, jedenfalls so zunehmend, dass ich immer mehr darauf achtete und mich heute nicht mehr so richtig daran erinnern kann, ob ich jemals darauf geachtet habe, wie sehr sie einen eigenen, natürlichen Trieb hat(te?), uns alles nachzumachen, sich wie Menschen in unserer Kultur zu verhalten.

Jetzt jedenfalls fällt es mir bei meinem Sohn (2) sehr auf und zwar sogar bei den unglaublichsten Kleinigkeiten, die so unwichtig zu sein scheinen, dass ich mich immer frage, wie das anderen nicht auffallen kann?

Offenbar hat bei mir eine Verschiebung der Perspektive stattgefunden. Je mehr ich darauf achte, desto mehr erwarte ich dieses Verhalten auch von meinem Sohn. Meine neue Erwartungshaltung produziert natürlich auch eine geänderte Kommunikation, eine geänderte Behandlung, die mein Sohn auch spürt.

Im Gegensatz zu vielen Kindern, die zwischen den ausgesprochenen Erwartungen einerseits (“Du sollst mit der Gabel essen”) und den nicht ausgesprochenen Erwartungen bzw. den Erwartungen “zwischen den Zeilen” andererseits hin und her gerissen sind, ist mein Sohn nur einer Erwartungshaltung ausgesetzt: Dass er sowieso alles nachmacht, was wir vorleben und für ihn wichtig ist, und wir eh keine Erziehung benötigen. (Zur Erklärung: “Wenn du nicht mit der Gabel isst, dann gibt es keinen Nachtisch”, impliziert z.B., dass man nicht daran glaubt, dass es von alleine mit der Gabel essen würde und zeigt deutlich, dass man erwartet, dass das Kind sich hier “fehl verhalten” wird.)

Schon lange will ich hier Mal sammeln, was mir so an unglaublichem Kopierverhalten auffällt. Gerade solche unwesentlichen Kleinigkeiten, aber auch wesentliche “Wichtigkeiten” zeigen mir/uns immer wieder, dass wir vollkommen auf dem richtigen Weg sind.

  • Er sagt: “Bitte” schon seit er 15 Monate alt ist oder so.
  • Er sagt: “Danke”, auch schon sehr lange und zwar wirklich immer wenn es auch allgemein gesellschaftlich erwartet werden würde.
  • Er sagt: “Gesundheit”, immer wenn jemand niest.
  • Wenn man dann daraufhin “danke” sagt, sagt er ”...schön!” (seine Form von “Bitteschön”)
  • Er sagt: “Gesundheit”, wenn er selbst niest und niemand Gesundheit gesagt hat (quasi als Aufforderung/Erinnerung?). Wenn man dann “Gesundheit” sagt, antwortet er mit “danke”.
  • Er sagt ”...schön!”, wenn er etwas abgibt.
  • Als ich Mal große Bettwäsche nirgends außer über eine unserer großen Türen hängen konnte, mich dabei auf einen Stuhl setzte und nach meinem Freund rief, damit er mit zu Hilfe käme, stand mein Sohn prompt mit mir auf dem Stuhl und rief nach meinem Freund (per Name, statt “Papa”!)
  • Egal was meine Tochter beim Essen sagt, er sagt es nach.
  • Morgens wenn Papa ihm sagt, er soll mich mal wecken, weckt er mich haargenau so, wie es mein Freund macht: sagt: “Aufi” (für Aufstehen), tippelt mit einem Finger auf meine Schulter und zieht dann meine Bettdecke weg! (Frechheit!)
  • Er putzt dem Papa dem Mund ab, genau wie Papa das bei ihm macht.
  • Wenn jemand weint, egal ob erwachsen oder klein, geht er hin und sagt das, was in unserer Familie gesagt wird: “Ohh, was ist denn los?” (bei ihm eher: “Ohh, waselalalaLOS?” und streichelt über den Kopf und tröstet, umarmt.
  • Er will unbedingt auf dem Fahrersitz (und darf das auch wenn es möglich ist) und spielt gerne Autofahren, macht alles an und aus, benutzt das Radio…
  • Er sagt genau das Selbe wie wir, wenn Flüssigkeit verschüttet wird.
  • Wenn das Telefon klingelt und er es schafft, vor uns ranzugehen, geht er hin und sagt ”...mann?”, seine Version von meinem Nachnahmen, so gehe ich auch ran.
  • Er läuft mit dem Telefon genauso beim Sprechen rum, wie ich das mache und macht echte Gespräche nach.
  • Er isst mit Messer und Gabel (so gut er kann, gibt dann meistens auf und isst doch mit dem Löffel aber er versucht es jedes Mal wieder).
  • Wenn einer von uns rülpst, muss er unbedingt auch.
  • Wenn hier irgendeiner jemanden anderes ruft, kann es gut sein, dass er mit ruft.
  • Er benutzt(/will benutzen) den Drucker, den Fotoapparat, die Gitarre, Kaffeemaschine, den Labelmaker und andere Büroutensilien.
  • Er macht nach, wenn man bei Star Trek die Anfangsmusik mitsingt.
  • Er lacht lauthals mit, wenn man bei einem Witz lacht, auch wenn er den Sinn nicht verstanden haben kann.
  • Er will sich auch anziehen, wenn wir rausgehen, genau wie wir (Schuhe, Jacke etc.)
  • Er kocht mit, wenn er Lust hat und macht dann alles genauso, wie ich es mache.
  • Er spielt mit der Mikrowelle (an- und ausmachen, Tür auf, Tür zu)
  • Er “spielt” mit, wenn hier einer mit der Wii spielt (die Controller kann man in der Luft bewegen, diese Bewegungen werden in das Spiel integriert und er macht diese Bewegungen nach).
  • Neulich habe ich auf der Couch mit dem Laptop gesessen und bin dann kurz aufgestanden. Ich wusste, dass er gleich kommt, und mit dem Laptop spielt, das nahm ich in Kauf, weil ich wirklich nur ganz kurz weggehen würde, es war alles gespeichert und nichts konnte passieren. Als ich wieder kam, hätte ich das am liebsten fotografiert. Er saß da, genau wie ich, mit dem Laptop auf dem Schoß und guckte konzentriert auf den Monitor! und “tippte” will, genau wie ich :D Das war so süß.
  • Er “putzt” Zähne. (Na gut, er isst auch Zahnpasta ;) Wir haben extra Zahnpasta ohne Fluor gekauft, weil er so viel davon isst.)
  • Er geht ins Bett, wenn wir ins Bett gehen. Manchmal will er noch nicht, aber er kommt trotzdem nach ein paar Mal hin und her gehen.
  • Er hat schon immer mit uns gebadet, auch Mal alleine. Ich habe das Gefühl, weil wir auch baden (eher als duschen), ist das ganz normal für ihn (und nicht ein Problem, wie es etwa mit meiner Tochter früher war.
  • Er “liest” Zeitschriften auf dem Klo, wenn er sich Mal da drauf setzt. Oder wenn ich drauf sitze und dabei lese, will er auch eine Zeitschrift oder ein Buch haben.
  • Er will bei der Spülmaschine und bei der Waschmaschine mitmachen und spielt da ausgiebig. Ebenso beim Herd, wobei er mehr Respekt davor hat, er weiß, dass das heiss ist.
  • Er hat selbst angefangen, sich für das Schneiden mit Schere zu interessieren.
  • Heute habe ich meine Kartoffeln mit der Gabel geschnitten, weil ich nur eine Hand frei hatte (er war auf meinem Schoß.) Das wollte er dann auch. Es ging mit seiner Gabel nicht (auch eine große, aber anderes Modell als meine). Dann wollte er meine, weil er sah, dass es mit meiner ging. Es ging auch nicht, dann hat er länger geübt und es dann irgendwann doch geschafft.
  • Manchmal will er nichts essen, aber wenn er sieht, dass wir essen, will er doch.
  • Wenn wir was trinken, will er auch.
  • Er will mit der Sprechanlage die klingelnden Leute begrüßen und reinlassen (das macht er auch). Er macht die Tür dann auf und ruft “Hallo!” ins Treppenhaus, genauso sagt er dann auch freundlich “Tschü-üss!”, wenn sie wieder gehen (z.B. der Postbote mit einem Paket). Manchmal sagt er auch “Wer ist da?”, weil ich das auch manchmal sage.
  • Wenn wir unterwegs sind und nach Hause kommen, will er immer klingeln und dann soll jemand rangehen und Hallo sagen und so weiter, bis jemand aufmacht.
  • Er bringt Abfall (z.B. Verpackungen) in den Müll, obwohl ihm das nie wirklich jemand gezeigt hat.
  • Bei Straßenende hält er an und guckt nach links und rechts und geht erst dann (vergisst es aber manchmal, macht es aber sofort, wenn ich einfach dran erinnere).
  • Er geht in Geschäfte rein und sagt irgendwas (als ob er was kaufen wollte). Manchmal hat er “Erfolg” und bekommt etwas von den Verkäufern geschenkt ;)
  • Er begrüßt jeden freundlich (Hallo), und uns Familienmitglieder eher umgangssprachlich, etwa wie es meine Tochter macht: “Hey/Hi, Mama!” (ich weiß nie, ob es eigentlich Hey oder Hi heißen soll ;)
  • Hier fliegt so ein Gitarren-Stimmgerät herum, das hat er Mal angebracht und dachte sich schon, dass man damit was machen kann. Da ich keine Gitarre zur Hand hatte, erklärte/zeigte ich, dass man mit dem Mund Töne machen kann, und dann leuchten die Lämpchen. Das hat er gleich ganz süß in mehreren Tonlagen nachgemacht :)
  • Er sagt wie wir “Hör auf” und hört auch meistens auf, wenn wir das sagen; genauso wie wir (auch nur meistens) aufhören, wenn er das sagt.
  • Wenn er sich irgendwo gemütlich hinlegt oder hinsetzt, gibt er einen Seufzer wie von um-die-30-Jährigen, die langsam anfangen zu seufzen, wenn sie sich irgendwo hinsetzen, um sich von der Arbeit auszuruhen ;)
  • Neulich haben wir beobachtet, wie er mit dem Wasserkessel Pflanzen gegossen hat (wir machen es mit der Gießkanne, aber er kam wohl nicht ran).
  • Er will immer mit kehren und staubsaugen, nass wischen.
  • Wenn wir abends unser Abendritual beendet haben sagt er seit Neuestem: “Soo! yadadaBETT!”, genau wie wir (eher scherzhaft) die Tage davor angefangen zu sagen hatte: “Soo, jetzt gehen wir ins Bett!”

    Insgesamt habe ich erst mit ihm verstanden, warum man sagt, dass Kinder so viel “Freude” ins Haus bringen. Ich habe wirklich früher daran gezweifelt, bzw. dachte das wäre so “theoretisch” gemeint, praktisch hatte ich nur Stress jeden Tag und wenig Freude. Heute ist das ganz anders und ich genieße das sehr (das heißt nicht, dass ich nicht auch manchmal genervt oder gestresst bin!).

    Mir ist schon klar, dass das nicht ewig so weiter gehen wird. Es gibt natürlich auch viele Dinge, die er ganz alleine erfunden hat oder Dinge, die er noch nicht nachmacht (und vielleicht auch nie nachmachen wird). Aber es zeigt mir ganz deutlich, dass er genau das lernt, was er für sein Leben gerade braucht, nützlich oder witzig/cool oder was auch immer – eben wichtig – findet, und dass das einfach so weiter gehen wird. Warum sollte das irgendwann aufhören? Warum sollte ich irgendwie eingreifen, wenn schon so viel so Unerwartetes von ganz von alleine kommt (z.B. hätte ich nie gedacht, dass ein Kind gerade Danke, Bitte und Gesundheit ganz von alleine sagt.)

    Ich werde die Liste immer wieder Mal erweitern, wenn mir was Neues auffällt.

Unerzogen Magazin