Traditionelle Erziehung vs. Gleichberechtigte Eltern-Kind-Beziehungen
Die folgenden von mir kommentierten Zitate stammen aus einem Text, der Mal in der Unerzogen-Mailingliste zitiert wurde. Als ich ihn damals las, wurde mir klar, dass wir wirklich ganz anders denken. Hier meine Kommentare zu dem in der Hamsterkiste veröffentlichten Text über Lesen und Schreiben. Bitte nicht so ernst nehmen :)
Lesen und Schreiben lernen Kinder nicht nur in der Schule
Lesen und Schreiben können Kinder am besten ohne Schule lernen.
1) Achten Sie darauf, dass Ihr Kind deutlich und artikuliert spricht!
Lassen Sie Ihr Kind einfach in Ruhe und sprechen Sie selbst deutlich und artikuliert, wenn es Ihnen wichtig ist dass Sie deutlich und artikuliert sprechen.
2) Achten Sie darauf, dass Ihr Kind das, was es sagen will, vollständig ausspricht.
Lassen Sie Ihr Kind alles so sagen, wie es das selbst sagen will, sonst sagt es vielleicht irgendwann gar nichts mehr, wenn Sie ständig nörgeln.
3) Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind täglich mindestens 30 Minuten liest!
Lassen Sie Ihr Kind so viel lesen oder nicht lesen, wie es will. Lesen Sie weiter vor, wenn Ihr Kind Ihnen gerne zuhört.
4) Klären Sie mit Ihrem Kind die Bedeutung von Wörtern und Begriffen!
Aber nur, wenn es Sie danach fragt oder Sie offensichtlich merken, dass es etwas sonst missversteht. Lassen Sie Ihr Kind selbst die potenzielle Bedeutung von Wörtern und Begriffen austesten (anhand von Reaktionen: Missverständnis oder Verständnis).
5) Ihr Kind sollte niemals Sch… sagen!
Ihr Kind darf alles sagen! Informieren Sie ruhig über die Bedeutung und Schwere der Wörter, aber verbieten Sie solche Wörter nicht. Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung.
6) Schenken Sie Ihrem Kind Zeit!
VOLLTREFFER! (1 Punkt)
7) Wenn Ihr Kind schreiben kann: Sorgen Sie dafür, dass es regelmäßig Sinnvolles schreibt!
Sorgen Sie dafür, dass es schreiben kann wenn es schreiben will.
8) Achten Sie darauf, dass Ihr Kind seine schriftlichen Arbeiten in einer angemessenen Form erledigt!
Akzeptieren Sie niemals schludrige Arbeiten.
Achten Sie darauf, wie ihr Kind sich über seine schriftlichen Ergüsse – ob schludrig oder in Schönschrift – freut.
9) Achten Sie darauf, dass Ihr Kind schulische Aufgaben selbständig erledigt!
Helfen Sie ihm und schreiben Sie auch Mal selbst ins Heft, wenn es keinen Bock auf die dummen Hausaufgaben hat ;) Wie war das noch, mit dem “was sinnvolles schreiben”?
10) Verzichten Sie auf sinnlose Übungen!
VOLLTREFFER! (wir sind bei 2 Punkten…) (na endlich, ich dacht schon…)
11) Loben Sie Ihr Kind! Das Selbstbewusstsein Ihres Kindes lebt von Ihrer Zuwendung und Anerkennung.
Loben Sie es um Gottes Willen nicht!
Zuwendung und Anerkennung sind die falsche Nahrung für Selbstbewusstsein. Selbstbewusstsein nährt sich von Erfolgen, denen nur des Kindes Maßstab zugrunde liegen sollte.
12) Eltern bestimmen die Regeln, nicht das Kind!
Schaffen Sie Regeln ab! :D
Kinder können unglaublichen Druck machen.
1. Eltern sollten den besser aushalten als Kinder.
2. Eltern und Schule machen noch viel mehr Druck, der währt dann bis ins Erwachsenenalter und wird dann an Kinder ausgelassen.
Auch wenn es schwer fällt, widerstehen Sie dem Durchsetzungsvermögen Ihres Kindes.
Wiederstehen Sie ihm nicht! Seien Sie für Ihr Kind da und erfüllen Sie ihm nach Möglichkeit all seine Wünsche. Freuen Sie sich doch über das Durchsetzungsvermögen und bieten Sie Ihrem Kind noch mehr Werkzeuge an, die man zum Durchsetzen gut gebrauchen könnte.
Lassen sie sich vor allem nicht auf fruchtlose Diskussionen ein.
Lassen Sie sich auf alle Diskussionen ein. Es hat ein Recht darauf. Ohne Regeln gibt es übrigens auch nicht so viele unangenehme Diskussionen.
Geben Sie klare Regeln vor und bestehen Sie auf ihrer Einhaltung.
Ich sagte doch bereits, schaffen Sie die Regeln endlich ab ;)
Halten Sie selbst alles ein, was Sie ankündigen.
Drücken Sie auch Mal ein Auge zu, so —> ;)
Organisieren Sie Ihren und den Tagesablauf Ihres Kindes planvoll.
Seien Sie spontan und folgen Sie den Bedürfnissen Ihres Kindes, nicht denen Ihres Terminkalenders.
“Immer nur zu schimpfen hilft nicht.
Tatsache!?
Ein gelegentliches Donnerwetter schadet jedoch nicht.
Schadet doch! Ist aber auch trotzdem normal, dass es passiert. Machen Sie’s wieder gut und erklären Sie Ihrem Kind die Zusammenhänge (ich war sauer weil… es war nicht richtig, weil… tut mir Leid, ich konnte nicht…)
13) Beschränken Sie radikal den Fernsehkonsum Ihres Kindes!
Lassen Sie ihre Kinder TV gucken, wann und was sie wollen!
Für Kinder unter 6 Jahren sind nur sehr wenige Fernsehsendungen geeignet.
Die Ungeeigneten wird es nicht sehen wollen. Die geeigneten wird es sehen wollen. Für die dazwischen wird es Sie vielleicht brauchen. Begleiten Sie es.
Kinder brauchen Zeit, Bilder zu begreifen und zu verarbeiten. Ihre ersten Bücher schauen sie immer und immer wieder an und sie möchten sie immer und immer wieder vorgelesen haben. Das Fernsehen bietet ihnen diese Möglichkeit nicht.
:) Schon Mal was von Videorekorder gehört? DVD? Ehrlich nicht? Meine Tochter (7) beschwert sich übrigens, dass so viele Sendungen im Fernsehen immer wieder wiederholt werden ;)
Schlag auf Schlag folgen Bilder und neue Sinnesreize. Die Kinder sind zwar fasziniert, aber sie verstehen das meiste nicht.
Videorekorder.
Noch nie verwunderte Eltern gesehen, weil ihr Kind Film X schon “tausend Mal” gesehen hat? Es hat einen Grund, warum sie das wollen. Nicht weil sie “süchtig” sind, sondern weil sie genau diese Wiederholung brauchen und wollen, um die Bilder zu verstehen. Daher müsste es sogar schädlich sein, den Konsum zu beschränken, da die Kinder keine Gelegenheit erhalten, die Sendungen so oft zu wiederholen, bis sie “das meiste” verstehen können.
14) Ihr Kind darf auf keinen Fall einen eigenen Fernseher im Zimmer haben!
Folgen Sie Ihrem Bauch und den Beschlüssen der Familienkonferenz. Ist denn das Kinderzimmer des Kindes etwa ein Zimmer, wo Sie nie hingehen? Warum denn nicht? Gehen Sie doch mal hin – los, los!
15) Grundschulkinder sollten nur am Wochenende fernsehen!
Kinder sollten gar nicht erst die Grundschule besuchen ;) Wenn doch, sollten sie wenigstens mit ihrer Freizeit das anstellen können, was sie wollen. Ob Nachmittag oder Wochenende oder Schwänztag :D
Sie sind durch Schule, Hausaufgaben und Freizeitaktivitäten voll ausgelastet.
Ja eben, und die Armen dürfen sich noch nicht Mal mit Fernsehen entspannen! Aber die Erwachsenen dürfen das jeden Abend nach der Arbeit. Tz tz tz…
16) Sehen Sie grundsätzlich alle Sendungen, die Ihr Kind sieht, mit ihm gemeinsam an!
(0,5 Punkte ;))
Schauen Sie Mal rein, aber machen Sie keinen Grundsatz draus. Das soll doch nur ein Trick sein, damit die Kinder so wenig wie möglich schauen ;) Wenn Ihr Kind Sie dabei haben will, dann braucht es Sie.
Schauen Sie auch deshalb Mal rein, um zu verstehen, was Ihr Kind so faszinierend findet. Welche Bedürfnisse werden da befriedigt, um die Sie sich vielleicht anderweitig kümmern könnten? Worum geht es genau in den Sendungen? Meine Tochter mag z.B. am meisten Krimi-Sendungen (für Kinder) und alles, was mit Ägypten zu tun hat. Dieses Interesse hat sich auf Bücher, PC-Spiele und Museen ausgeweitet. Das wäre nicht so einfach gewesen, hätte ich über dieses Interesse nicht erfahren und es dadurch auch unterstützen können.
Nur so haben sie Gewissheit, was Ihr Kind wirklich sieht.
Ach so, nur so kann ich mein Kind 100%ig kontrollieren.
Ganz wichtig ist, das das Kind mit Ihnen anschließend über die Sendung spricht.
Sprechen Sie mit Ihrem Kind, wenn es Fragen hat, und drängen Sie keine langweiligen Gespräche auf, die für Ihr Kind uninteressant sind! (Und sprechen Sie mit Ihrem Kind auch einfach so!)
17) Gönnen Sie sich und Ihrem Kind ab und zu einen kuscheligen Familien-Fernsehabend!
(Puh, dabei habe ich gehofft, nicht noch einen Punkt geben zu müssen ;))
Trotzdem nur 0,5, denn: Tun Sie dies nicht “ab und zu” sondern einfach “wann immer Sie bzw. Sie beide wollen”.
18) Beschränken Sie radikal den Konsum elektronischer Spiele am Computer oder an Spielkonsolen!
Schenken Sie Ihrem Kind einen Computer, Spielkonsolen und Spiele :D Ihr Kind lernt und übt damit wichtige Fähigkeiten. Lesen Sie das hier von Joyce Fetteroll
“Erwachsene in dieser Gesellschaft finden, dass Kinder mit Videospielen Zeit verlieren. Kinder wissen es besser! Videospiele sind extrem herausfordernde Rätsel! Sie sind wie Schach mit neuen Regeln für jedes Spiel. Computerspiele erfordern Orientierung, 3-dimensionale Vorstellungskraft, Lesen, mathematische Konzepte, Strategie, Planung… sogar wenn Kinder “schummeln” (z.B. die Komplettlösung konsultieren), gebrauchen sie gute Techniken, um Probleme zu lösen. (Wenn Sie als Erwachsener z.B. wissen, jemand hat bereits eine gute Lösung für einen nervigen Teil des Problems gefunden, ist es eine gute Strategie, diese Lösung auszuprobieren, damit man dann weitergehen kann und sich wichtigeren und interessanteren Teilen des Problems widmen kann).”
Lesen Sie außerdem das hier:
Don’t Bother Me Mom–I’m Learning How Computer and Video Games Are Preparing Your Kids For 21st Century Success–and How You Can Help! by Marc Prensky
Fachleute sagen uns, dass die Schulleistungen durch den übermäßigen Gebrauch elektronischen Spielzeugs massiv leiden.
Die Daten der Fachleute basieren auf Kindern, die durch obige Punkte gequält werden…
19) Verlassen sie sich nicht nur auf die Schule!
Verlassen Sie sich gar nicht auf die Schule (und schreiben Sie doch mal “Sie” groß, waren Sie etwa nicht in der Schule? ;)) Sagen Sie Ihrem Kind, dass Ihnen Noten und das, was der Lehrer über ihn denkt, egal ist. Zeigen Sie ihm, dass Lernen überall und vor allem außerhalb der Schule stattfindet – und vor allem im Kopf des Kindes selbst, unabhängig von Lehrern, Schulen und Fächern.
20) Eine vermutete oder diagnostizierte Lese- und Rechtschreibschwäche ist noch lange keine Lösung!
Stempeln Sie bitte Ihre Kinder nicht ab.
