Hamburg

Johanna, 13.08.2008

Hebamme Regine Gresens
Still- und Laktationsberaterin IBCLC
Kurse – Beratung – Coaching
Braamwisch 4
D-22175 Hamburg,
Tel: 0 40 – 64 08 92 77
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Duisburg-Rumeln

Johanna, 25.03.2007
  • Diana Weichert, CC-Tagesmutter, 02151 6444798

Neu: Hebammen, Tagesmütter und Babysitter Netzwerk

Johanna, 25.03.2007

Hebammen, Tagesmütter und Babysitter, die nach CC-Prinzipien arbeiten, können ab heute in der Kategorie Hebammen, Tagesmütter und Babysitter Netzwerk ihre Kontaktdaten und gerne auch einen kurzen Text hinterlegen.

Was ist das Continuum Concept?

Das Continuum Concept wurde von Jean Liedloff in den 70er Jahren (oder so) vorgestellt in ihrem Buch: “Auf der Suche nach dem verlorenen Glück”.

Ganz grob angerissen geht es im CC darum, dass Kinder nicht erzogen werden müssen, sondern dass davon augegangen wird, dass Kinder von Geburt an am gesellschaftlichen Leben teilnehmen wollen und dass sie es in angemessener Weise von alleine tun werden – wenn man nur selbst den respektvollen Umgang mit seinen Mitmenschen (also auch mit seinen Kindern) pflegt (und somit ständig Vorbild ist), ihnen genügend Zeit lässt, ihrem eigenen Tempo zu folgen, sich der Gesellschaft anzupassen bzw. diese kennen zu lernen und, vor allem, wenn man das Vertrauen durch Erziehung und Machtkampf nicht zerstört.

Liedloff beschreibt in ihrem Buch ganz eindrucksvoll, wie Kinder, deren Vertrauen nicht zerstört wurde, sowieso schon ganz von alleine alles “richtig” machen, was wir meinen anerziehen zu müssen. Ihrer Theorie nach (CC), geht es insbesondere um drei Punkte:

  • Tragen
  • Stillen
  • Familienbett

    Ihrer Ansicht nach wird das Vertrauen der Kinder in die Eltern zerstört, wenn die Eltern es “daran gewöhnen”, in einem anderen Zimmer oder Bett zu schlafen, wenn es schreien gelassen wird, weil “es gut für die Lungen ist”, wenn es liegen gelassen wird, damit es sich nicht an Getragenwerden “gewöhnt”, etc.

    Sie begründet ihre Annahme damit, dass der Mensch quasi “genetisch” bestimmte “Erwartungen” an die Welt in sich trägt: Das Baby erwartet naturgemäß, dass es getragen wird – die Natur kann ja keine Kinderwagen vorgesehen haben; es erwartet naturgemäß, dass es gestillt wird – die Natur kann ja keine Flaschenmilch vorgesehen haben und es erwartet naturgemäß, mit der Mutter zu schlafen – die Natur kann keine Fremdwärme (Decken, eigenes Bett, Heizung) vorgesehen haben, sondern die Körperwärme der Mutter (bzw. eines anderen Menschen).

    Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, so verliert das Kind laut Liedloffs Theorie zum einen nach und nach das Vertrauen in seine Bezugspersonen, zum anderen entsteht ein Mangel, das mit zunehmendem Alter zu der typischen Unzufriedenheit des “westlichen” Bürgers wird. Zudem weiß der Mensch nie genau, wonach er sucht und befindet sich daher ständig “auf der Suche” (nach Sinn, nach Aufgabe, nach Erfüllung, nach dem richtigen Partner, nach noch etwas Neuem, und nach mehr…), die im schlimmsten Fall gefährlich endet, z.B. bei Sucht.

    Nur ein Kind, dass seinen Bezugspersonen vollends vertraut, wird ihnen gegenüber auch die Folgebereitschaft zeigen, die Erziehung unnötig macht. Das fehlende Vertrauen hingegen führt dazu, dass sich Eltern zunehmend “gezwungen” fühlen, Erziehungsmaßnahmen anzuwenden, da sonst die gesellschaftlich erwünschten Verhaltensregeln nicht eingehalten werden.

    Tragen ist das A und O bei Liedloff – sie geht davon aus, dass die Babys und Kleinkinder naturgemäßg getragen werden wollen, um die Welt zu erleben und von ihr zu lernen. Das Kind in den Arm zu nehmen, ist für sie nicht “verwöhnen”, sondern genau das, wozu das Weinen des Kindes auffordern will und richtig ist. Für den Alltag werden Tragetücher und andere flexible Tragehilfen empfohlen (die mehrere Trageweisen erlauben, beispielweise eine Rückenbindung, um nebenher Arbeiten verrichten zu können).

    Des Weiteren sei traditionelle (westliche und verwestlichte) Erziehung stets zu kindzentriert – das heißt, man “betüttelt” das Kind die ganze Zeit und spielt was vor, zeigt Dinge, die nur für das Kind gedacht sind (sonst nicht Bestandteil der gesellschaftlichen bzw. familiären Aktivitäten).

    Liedloff dagegen ist der Ansicht, dass Kleinkinder und Babys insbesondere eigentlich nur “dabei sein” wollen (am Besten durch Getragenwerden), wenn die Erwachsenen sich um ihr eigenes Leben und um das der Gemeinschaft kümmern. Angeregt durch dieses Vorbild (Erwachsene arbeiten aktiv an der Gemeinschaft mit) will das Kind automatisch genau das gleiche machen: aktiv am Gesellschaftsleben teilnehmen.

    Liedloff betont außerdem die Vorteile einer Großfamilie, die ja bei uns bekanntlich nur noch selten vorhanden ist, was vielerseits bedauert wird. Die Vorteile liegen insbesondere in der gleichmäßigeren Verteilung der Hausarbeit und Kinderbetreuung.

    Einer ihrer Vorschläge für die Umsetzung des CC in unserer heutigen Zeit ist z.B., dass sich Eltern, die sowieso zu Hause bei ihren Kindern bleiben, sich nicht nur zu Krabbel- und Stillgruppen treffen, sondern z.B. auch gemeinsam den Haushalt zu erledigen – so wäre dieser nicht nur effizienter geschafft, sondern auch mit viel mehr Spaß und Unterhaltung, und die Kinder würden mitbekommen, dass Haushalt eine ganz normale, soziale Aktivität ist, was sie viel eher zur Nachahmung motivieren würde als der lästige und häufig ewige Kampf mit dem Kind um Erziehungsfragen rund um den Haushalt.

    Eine weitere Idee (nicht von ihr) wären Büros für Eltern, die selbständig am Computer arbeiten, wo Kinder willkommen sind und von allen Eltern abwechselnd betreut werden (eventuell zusätzlich von einer CC-Tagesmutter oder gar nicht, weil sich die Kinder selbst gemeinsam beschäftigen). Die Räumlichkeiten sind kinderfreundlich ausgestattet und die Eltern teilen sich die Arbeit bzw. die Kosten.

    Liedloff stützt ihre Theorie auf Verhaltensweisen der Yequana, einen Indianerstamm in Venezuela, den Liedloff einige Jahre lang beobachten und miterleben konnte. Die Theorie ist sehr “streng” und mutet manchmal etwas absolutistisch an – nachdem man das Buch gelesen hat, macht man sich regelrecht Vorwürfe, so vieles “falsch” gemacht zu haben. Die “Strenge” (unbedingt Tragen, unbedingt Stillen, unbedingt Familienbett) soll jedoch vielleicht nur ein hohes “Idealbild” abgeben.

    In der Praxis jedoch sieht es nicht mehr so eng aus, weil der Umgang mit Menschen im Allgemeinen sowieso immer eine individuelle Anpassung erfordert. In den Communitys, die sich mittlerweile um das CC gebildet haben, wird es nicht so streng gesehen: Wenn Stillen unerwünscht oder nicht möglich ist, dann halt nicht; wenn man sich im “Familienbett” unwohl fühlen würde, oder das Kind nur getreten wird, ist ein separates Bett besser; wenn Tragen nicht möglich ist (zu viele Kinder, kleine Familie, Rückenprobleme, große Unlust etc.) – dann eben nicht, etc.

    Im Großen und Ganzen geht es darum, den Ur-Bedürfnissen (laut Liedloff: Geborgenheit durch Körpernähe, intaktes Vertrauensverhältnis) nachzukommen – wie man das macht, vor allem in der heutigen Zeit, in unserer nicht-indianischen Gesellschaft, wird jedem selbst überlassen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass sich CC-Anhänger relativ einig darüber sind, dass nicht alles eingehalten werden kann, was laut der Theorie wünschenswert wäre. Daher kann man hier nicht von einem starren “Konzept” reden, nachdem Hebammen und Tagesmütter arbeiten (“sollen”).

    Nähere Informationen findet man hier: www.continuum-concept.org oder www.continuum-concept.de und natürlich in ihrem Buch, welches sich übrigens spannend wie ein Roman lesen lässt – mit Ausnahme des Kapitels, indem der Begriff “Kontinuum” erklärt wird ;)

    Wie arbeiten CC-Hebammen und -Tagesmütter und -Babysitter?

    Jede sicher anders, denn es gibt keine festen Regeln, außer dass man davon ausgeht, dass die Kinder über eine natürliche Folgebereitschaft verfügen, und es daher nicht nötig ist, sie zu irgendwelchen Verhaltensweisen hinzuer*ziehen*. Es gilt, das Kind als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu respektieren und ein inniges Vertrauensverhältnis aufzubauen, damit die Bereitschaft zur Folge nicht beeinträchtigt wird.

    CC-Tagesmütter, die nach diesen Prinzipien arbeiten, würden also z.B. folgende Dinge tun (sicher nicht alles, jede macht es so, wie es die Umstände zulassen):

  • Versuchen, eine Art Familienmitglied zu werden:
    • die Kinder auch Mal außerhalb der Betreuungszeiten besuchen
    • die Kinder in ihren eigenen Wohnungen betreuuen (vielleicht abwechselnd?)
  • Eingewöhnungszeit lang und ausgiebig gestalten, also nicht nach dem Motto “Am besten Sie gehen bevor er es merkt”
  • Mit weiteren Tagesmüttern in Kontakt treten (egal ob CC oder nicht, es geht um den Kontakt mit anderen Erwachsenen)
  • Sie würden versuchen, den eigenen Tätigkeiten nachgehen (Stricken, Stecken, Garten bepflanzen, Kochen, Einkaufen, Basteln, Werkeln, Sticken… (nichts am Computer)), am besten dabei mit anderen Tagesmüttern vernetzen oder Freunde besuchen, um gemeinsam nicht-kindzentrierten Arbeiten nachzugehen
  • Die Kinder wären eher “dabei”
  • Natürlich helfen die Tagesmütter bei Gefahr und Anfragen und laden die Kinder zum gemeinsamen Erleben ein
  • Sie würden weder langzeitstillende Mütter noch “Stillabbrecherinnen” schief angucken
  • Sie würden die Kinder zu nichts zwingen und diese nicht erziehen wollen
  • Sie wären bei Konflikten lösungs- und oder emotionsorientiert
  • Sie würden versuchen, den Wünschen der Kinder so gut es geht nachzukommen (z.B. wenn die Kinder auf dem Weg zum Spielplatz offensichlich sehr viel Spaß dabei haben, in die Pfützen stapfen, würde sie nicht darauf bestehen, weiter in den Park zu gehen.)
  • Sie würden nicht auf Bitte und Danke (und ähnlichen Erziehungszielen) bestehen, weil sie davon ausgehen, dass die Kinder so was sowieso lernen. Sie würden sich nicht auf einen Kampf mit den Kindern einlassen
  • Sie würden wenn es ginge, einige Kinder tragen, abwechselnd tragen, sich umbinden. Kinder, die getragen werden wollen, würden sie tragen, ohne zu denken, sie würden sie “verwöhnen”.
  • Sie würden wahrscheinlich auch nicht alles “perfekt” nach Ideal machen können und wären daher sicher häufige Gäste in Mailinglisten und Foren zum Thema.

    CC-Hebammen würden ihre Kundinnen:

  • Bezüglich Hausgeburt, Tragen, Familienbett und Stillen beraten (natürlich nicht zu etwas beeinflussen, was diese nicht wollen)
  • Sollten sie keine Hausgeburt oder Stillen wünschen oder können, dahingehend beraten, wie die “Defizite”, vor denen Liedloff warnt, kompensiert werden könnten z.B.
    • mit der Flasche füttern, aber Hautkontakt pflegen (nahe an Brust),
    • vermehrt tragen… etc.
  • statt Familienbett “Babybalkon” oder andere Lösungen…

    CC-Babysitter würden wahrscheinlich:

    • Die Kinder absolut alles vorschreiben lassen, was getan wird
  • Tragen, falls erwünscht
  • Versuchen, auch außerhalb der Betreuungszeiten das Kind Mal zu besuchen oder etwas mit der Familie zu unternehmen (“Familienmmitglied” werden)
  • Verstehen und trösten, wenn die Kinder ihre Eltern vermissen (nicht: “Jetzt wein doch nicht/du musst doch nicht weinen” sondern “Du bist traurig weil… das kann ich verstehen…”)

    Weitere Vorschläge, Anmerkungen, Änderungen und/oder Ergänzungen sind willkommen. Die beiden angegebenen Links führen über Verlinkung weiter zu Foren und Mailinglisten zu diesen Thema. Die Angaben und Vorschläge sind ohne Gewähr.

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