Keine Bettzeiten
Ein Kind kann durchaus lernen, auf seinen eigenen Körper zu achten, und ins Bett gehen, wenn es müde ist. Ich habe mich von folgenden Ideen befreit:
- mein Kind muss X Stunden täglich schlafen.
- mein Kind muss regelmäßige Bettzeiten haben.
- mein Kind muss lernen, alleine zu schlafen.
- mein Kind muss in seinem Bett schlafen.
Bei uns gibt es keine Bettzeiten mehr. Als sie gerade von der Aufhebung der Bettregel erfahren hatte, musste das ganz ausgiebig ausgekostet werden. Die ersten Nächte wurden “durchgemacht” – teilweise ist sie später als wir ins Bett, sogar in der einen Nacht, als wir bis um 2 wach geblieben sind. Zusätzlich waren ja die festen Computerzeiten aufgehoben (1 Stunde am Tag – davon eine halbe Stunde “Spaßspiel”, eine halbe Stunde “Lernspiel” LOL). Nach ein paar Tagen war es aber nicht mehr so spannend und mittlerweile (nach etwa 2 Monaten), geht sie recht regelmäßig gegen 22:00 ins Bett. Und sie scheint auch keinen weiteren Schlaf zu benötigen. Sie ist putzmunter und es haben sich noch keine Lehrer wegen Müdigkeit im Unterricht beschwert :) Morgens kommt sie genauso schwer/leicht aus dem Bett wie sonst auch. Wenn sie doch mehr Schlaf benötigt, schläft sie früher ein (ich sage bewusst nicht “geht ins Bett”, siehe unten!) oder macht einen Mittagsschlaf.
Aber Achtung! Keine Bettzeiten bedeutet nicht, dass man den Kindern nicht helfen kann, ihren Rhythmus zu finden, auf ihren Körper zu achten und die Nacht einzuleiten. Bei uns sieht es zur Zeit so aus:
- Sie darf selbst wählen, wann sie ins Bett geht.
- Zähneputzen ist eine langweilige und lästige Angelegenheit, und das können wir verstehen. Einer von uns (meistens ich) macht es mit ihr zusammen, aber auch ohne Zwang. Wenn sie nicht will, dann eben nicht. Es ist eher so ein “wir putzen jetzt Zähne, kommst du mit?” oder “komm, wir putzen Mal Zähne”, oder manchmal “wollen wir schon Mal Zähne putzen, du kannst ja dann noch wach bleiben”. Nachdem sie nun schon öfter selbst die Erfahrung gemacht hat, dass wenn wir nicht frühzeitig putzen, sie später am Abend keine Lust mehr hat weil sie zu müde ist, hat sie selbst schon gesagt, wir putzen lieber jetzt, sonst hab ich später keine Lust mehr – das ist doch wahres Lernen! Manchmal putzt sie auch alleine und ich bin sicher, dass die Zeit kommt, da sie mich nicht mehr dafür braucht. Ehrlich gesagt putze ich auch lieber mit meinem Freund zusammen – ist sonst echt langweilig![1]
- Wenn sie am nächsten Tag früh raus muss, so erinnern wir sie freundlich daran, um wie viel Uhr es sinnvoll wäre, ins Bett zu gehen, damit es morgens nicht so schlimm mit dem Aufstehen ist. Sie kann aber trotzdem wach bleiben, wenn sie will. Meistens fängt sie so 10 Minuten nach der Erinnerung an, sich selbständig fertig fürs Bett zu machen.
- Licht an, so wie sie will und es braucht (wg. Angst), Kassetten, Lesen, Geschichte vorgelesen bekommen, Spielen ist alles erlaubt und fördert die Lust am Bett.
- Wir haben Decken getauscht, weil sie meine Decke viel kuscheliger und toller findet – und ich muss zugeben, ihre Decke ist kalt und überhaupt nicht kuschelig! Ich habe ein dringendes Bedürfnis, sobald wie möglich zu IKEA zu fahre und eine neue Decke für mich zu kaufen!
- Sie darf jederzeit auch egal wo in der Wohnung einschlafen, egal ob vor Müdigkeit oder weil sie es will. In letzter Zeit will sie oft auf der Couch im Wohnzimmer schlafen und findet das ganz toll. Wir tragen sie dann in ihr Bett, wenn sie sonst morgens (am Wochenende) vom Baby geweckt werden würde, oder lassen sie da, wo sie ist (machen es ihr bequemer). Was soll’s! Es ist echt egal wo sie schläft, und ich kann sehr gut verstehen, dass sie oft im Wohnzimmer, in unserer Nähe einschlafen will!
- Auf Anraten meiner lieben Kollegen aus der UnschoolingBasics Mailinglist habe ich meine Tochter beobachtet. Ich habe gelernt, auf die Anzeichen von Müdigkeit zu achten. Eigentlich war es viel einfacher, als ich dachte. Nach nur 3 Tagen stellte ich fest, dass sie abends immer plötzlich einen Kuschelanfall kriegt, und wenn wir dann gekuschelt haben, sie ganz müde wird. Obwohl ich es zur Zeit meistens vergesse, und sie daher oft erst dann frage, ob wir Zähne putzen wollen, habe ich mir vorgenommen, schon viel früher mit dem Zähneputzen zu kommen, wenn Kuscheln noch gar kein Thema ist.
1 Genauso ist es übrigens mit dem alleine schlafen. Früher dachte ich, Kinder müssten frühzeitig lernen, alleine zu schlafen, um “unabhängig” zu werden. So ein Quatsch – wir dürfen jede Nacht mit unseren Liebsten schlafen und kuschelig warm neben dem Körper eines geliebten Menschen einschlafen, unsere Kinder müssen in einem kalten Bett allein sein (ok, ist nur am Anfang kalt ;) aber trotzdem!) Dass das eher eine tiefe Sehnsucht und somit viel eher zu einer späteren Abhängigkeit von anderen fördert (wenn man dann endlich jemanden hat und nicht schon wieder allein sein will – wer kennt sie nicht, die niemals-Schluss-machen-Könner-obwohl-sie-unzufrieden-sind-weil sie dann so allein wären – erscheint mir heutzutage viel logischer. Wenn man sich selbst für Alleinsein entscheidet, ist das viel genießbarer und erträglicher :) Und diese Entscheidung kommt, keine Sorge!
