“Fernsehen macht Menschen zu Konsumenten…”
...die keine anderen Wünsche als Coca-Cola und McDonald’s haben.
Von Joyce Fetteroll
Das ist eine einfache Schlussfolgerung, auf die man kommt, wenn man einen langen Blick auf unsere Gesellschaft wirft. Aber bewahrheitet sich diese Theorie auch, wenn du auf individuelle Familien schaust?
Die Botschaft in TV-Shows und Filmen, die scheinbar das Kaufen von Dingen befürworten – tolle Autos, coole Kleidung, extravagante Urlaubsziele –, hatten null Effekt auf meine Familie. Es ist nicht so, dass wir ein einfaches Leben führen – das Haus ist überfüllt mit Büchern und Filmen. Meine Liebe zum Kauf solcher Dinge wird nicht durch TV genährt, sondern durch meine Liebe zu großartigen Geschichten und großartigen Figuren und eleganten aber simplen Arten, Komplexes zu umschreiben.
Bei uns zu Hause behandeln wir Werbung als (verzerrte) Information darüber, was es da draussen gibt, nicht als ein Befehl, zu Konsumenten zu werden. Ich versuche gerade, auf irgendwas zu kommen, was wir nur gekauft haben, weil wir es im TV gesehen haben. Das Einzige, worauf ich komme, ist dass ich einen Swiffer gekauft habe, aber das auch erst, nachdem ich die Kundenrezensionen gelesen habe, die besagten, sie seien gut. Das meiste was wir kaufen sind Bücher, Filme und Künstlerbedarf. Es gibt zwar Werbung für Filme, aber wir kaufen nur diejenigen, die wir gesehen haben und toll fanden. Bücher und Künstlerbedarf kommen weder in Werbung noch in Shows oder Filmen vor.
Vor ein paar Jahren wollte meine Tochter ab und zu Mal ein Spiel haben, das ihrer Liebe zu Pokemonähnlichen Figuren (GigaPets und Scanners und so) nahe kam. Aber sie war sich immer bewusst, dass die Werbung ihr kein wahrheitsgetreues Bild davon geben würde, wie sehr sie das Spiel dann auch mögen würde. Seitdem hat sie bessere Quellen gefunden (Zeitschriften und das Internet), um sich über die Sachen zu informieren, die sie mag.
Meiner Meinung nach reflektiert, oder verstärkt, das Fernsehen die bestehende Idee einer Gesellschaft, die sich bereits vom materiallen Erwerb angezogen fühlt. Aber eigentlich ist die Idee, Dinge zu erwerben, wahrscheinlich dem Menschen angeboren. Der Wunsch zu sammeln (Essen und Material für Werkzeuge und Kleidung) hat es uns ermöglicht, Winter zu überleben, wenn Dinge rar wurden. Und die Idee, Überfluss anzusammeln wurde nicht vom TV erfunden! Die Reichen fanden es schon immer toll zu zeigen, was Reichtum alles kaufen kann, tausende von Jahren bevor es TV gab. Das Fernsehen hat nicht die großen französischen und russischen Paläste erfunden! Der Unterschied zwischen unserer Gesellschaft und der Einstigen ist der, dass es sich heutzutage mehr Menschen leisten können, ihren Wohlstand zu zeigen.
Quelle: Arguments against Arguments against TV by Joyce Fetteroll. Mit Genehmigung übersetzt und veröffentlicht.
Auch Werbung kann man hinterfragen, auch über Werbung kann man diskutieren – und zwar nicht nur darüber, wie sehr uns Werbung beeinflussen will, oder wie Werbung “lügt” oder nicht lügt – sondern auch über Gestaltung, Darstellung, ob sie wirkungsvoll ist und warum, Witz, die Sprache, die benutzt wird und vieles mehr… Man könnte schon fast sagen, dass es schade ist, wenn man nur öffentlich-rechtliche empfängt! ;)
