Schwimmen
So, heute war es so weit. Nach 45 Tagen Nichterziehung hat sie heute zum ersten Mal was anderes gemacht als Fernsehen und PC. Stimmt nicht ganz – wir haben natürlich schon noch andere Sachen gemacht, aber die Hauptbeschäftigung waren der Computer und der Fernseher. Ich glaube, sie war heute doch so 3 Minuten an ihrem PC irgendwann zwischendurch… Nicht, dass es mich stören würde!
Wir waren im Schwimmbad! Es war echt cool. Was ich aber eigentlich erzählen wollte, war meine Erleuchtung – dazu aber erst die Vorgeschichte: Meine Tochter war nämlich schon Mal in einem Schwimmkurs, der total überteuert war – 36 € im Monat oder so was für 1 x Woche 60 Minuten, in denen man als Elternteil nichts machen konnte, weil es so weit weg war. Es hat sich nicht gelohnt, nach Hause zu gehen, es gab keinen Supermarkt, die Wartebank war unbequem… Außerdem waren wir zeitlich gebunden, und ich kam immer zu spät. Das Becken war einfach nur ein quadratisches Becken. Danach immer das nervige Umziehen und das Schlimmste: Sie hat gar nicht schwimmen gelernt!
Der Eintritt heute für 3 Stunden Schwimmbad mit Rutsche, Stromschnelle, Nichtschwimmer und Schwimmerbecken, Babybecken, Whirlpool war 2,20 €. Zusammen also 4,40 €. Das macht im Monat 17,60 € – das ist weniger als die Hälfte des Preises für den Schwimmkurs!
Es hat ihr so gut gefallen, dass sie jetzt jeden Mittwoch hingehen will (mittwochs ist der Preis ermäßigt).
Muss ich noch meine Erleuchtung erklären?
Ich mach’s Mal, weil es so viel Spaß macht, so was zu erkennen…
| Schwimmkurs | Familienschwimmen |
|---|---|
| teuer | billig |
| teuer | immernoch billiger, sogar wenn noch jemand mitkommt |
| rechteckiges Schwimmbecken | tolles Schwimmbad mit vielen Möglichkeiten |
| nur ein Schwimmbad | viele Schwimmbäder |
| zeitlich gebunden | theoretisch jederzeit möglich |
| ich kann nur warten | ich kann auch Sport machen |
| wir sind getrennt | wir sind zusammen |
| ich schaue nur zu | ich mache was mit meinem Kind |
| mein Kind lernt schwimen – oder nicht | mein Kind lernt schwimmen – oder nicht |
| mein Kind hat nicht schwimmen gelernt | mein Kind hat im Urlaub am Meer schwimmen gelernt |
| schulisch | unschooling |
| wir können uns nicht unterhalten | wir können uns unterhalten |
| – | und Quatsch machen |
| – | und lachen |
| – | und uns Sachen zeigen |
| umziehen ist doof | umziehen gemeinsam ist nur halb so doof |
| sie musste so schwimmen, wie alle | sie kann so schwimmen, wie sie will |
| hat Spaß gemacht | hat noch mehr Spaß gemacht |
| sie wird wahrscheinlich eh keine Profischwimmerin | wenn sie Profischwimmerin werden will, dann deshalb, weil sie im Wasser schöne Erfahrungen gemacht hat |
| wenn sie in einen Schwimmkurs gehen möchte, werde ich sie natürlich trotzdem anmelden, wenn es geht | wenn sie dann trotzdem außerhalb des Kurses ins Schwimmbad gehen möchte, können wir das auch organisieren |
OK, jetzt aber, jetzt sag’ ich nichts mehr…

Unser Sohn (5), der sich auch eher schwer tut mit so Veranstaltungen “So, jetzt macht ihr alle dies und das” hat im Sommer einen Ferienschwimmkurs gemacht. Jeden Morgen ganz früh, zwei Wochen lang. Er fand es klasse – und hat schwimmen gelernt und jetzt noch mehr Spaß an Wasser und Schwimmen als vorher. Für uns war das genau richtig :-) – und schulisch fand ich es auch nicht, denn es zwingt mich niemand, diesen Kurs zu machen. Und meinen Sohn natürlich auch nicht. Hinterher hat er immer ganz begeistert von den tollen Sachen erzählt, die sie gemacht haben.
Das zeigt aber auch mal wieder: jedes Kind ist anders und was für den einen toll ist, ist für den anderen schrecklich.
Ja, das ist toll, wenn man nicht gewzungen ist, den Kurs zu machen. Die meisten Kurse muss man aber im Voraus bezahlen, gleich 12 Wochen auf ein Mal oder so. Klar, ist immer noch kein Zwang, aber wenn dein Kind nicht mehr hin will, hast du das Geld verloren. Nicht alle Kinder können nach einer Schnupperstunde entscheiden, ob sie es die nächsten 12 Wochen machen wollen oder nicht.
Wegen dieser Überlegung habe ich meine eigenen Kurse, die ich gebe, monatlich kündbar gemacht :-) Kleinkinder können 6 Wochen “schnuppern”. Da merkt man schon, obs das richtige ist. Und Ausnahmen mache ich auch…
Gruß
Johanna
Ich beneide Eure Kleinen. Ich wurde zum Schwimmen lernen gezwungen noch vor meiner Einschulung, denn “in der Schule muss man Schwimmen (können)”. Ich hatte solche Angst und hab es natürlich nicht gelernt sondern nur geweint. Dann wurde ich zu einem Schwimmkurs geschleppt für Kinder die schwer Schwimmen lernen. Da hat es dann auch ewig gedauert bis ich wohl endlich geschwommen bin. Spaß hat es mir dann nie gemacht, in der Schule habe ich später Chorallergie vorgegeben (mir die Haut mit Essig eingerieben und zum Arzt) damit ich befreit wurde. Das Schwimmen schön sein kann habe ich dann erst mit 25 oder so herausgefunden.
Mein ältestes Kind ist mit elf Jahren in der Ostsee die ersten Male frei (ohne Schwimmhilfe) geschwommen. Vielleicht hätte ich nie von so vielen “Spätschwimmern” erfahren, wenn nicht dieses Kind gewesen wäre. Plötzlich hörte ich von verschiedenen Eltern und Großeltern Geschichten über solche Schwimmlernerfahrungen mit Kindern. Der zeitliche Rahmen, in dem von einem Kind erwartet wird, dass es Schwimmen ohne Hilfen gelernt hat, ist meinem Gefühl nach so bis sieben gesteckt, oder irre ich da? Ich hatte früher den Eindruck. Es ist für mich eine schöne Erfahrung zu sehen, dass ein Kind (nicht nur mein eigenes und nicht nur das Schwimmen betreffend) Dinge lernt jenseits des zeitlichen Erwartungsrahmens, Dinge, über die bereits Glaubenssätze existieren, dass ein Kind sie nie mehr lernen würde, wenn es sie bis zu einem bestimmten Alter nicht gelernt hätte.