Vorsicht! Studien über TV und Computer…
In diesem Interview diskutieren Manfred Spitzer und Remo Largo über das Thema: Sind TV und Computer für Kinder schädlich?
Ein kurzer Auszug:
[...] Der durchschnittliche Vater verbringt mit seinem Kind nur 20 Minuten am Tag, ohne die Mahlzeiten. Und ich denke nicht, dass so ein Vater Vorbild sein kann. Vorbilder fehlen. Deshalb suchen sich Kinder ihre Vorbilder im Fernsehen – das ist das Problem, das ich mit dem Fernsehen habe. Aber daran sind nicht die Medien schuld. Daran sind wir Erwachsenen schuld.
Ein weiterer interessanter Artikel über die Zweideutigkeit von Studien zum Fernsehkonsum heißt Endlich bewiesen: Fernsehen macht dumm von Christian Rentrop.
Auszug:
[...] Wenn man die Ergebnisse anders liest, als die Forscher verlauten ließen, ergibt sich ein völlig anderes Bild: Was, wenn nicht das Fernsehen schuld an mangelnder Intelligenz ist, sondern die mangelnde Intelligenz der Grund für erhöhten Fernseh-Konsum ist?

Ich hatte den Herrn Spitzer letztens schon in einem Fernsehinterview
gesehen und bei derselben Aussage stutzig geworden:
“Es gibt Studien aus Neuseeland, die zeigen: Wer im Kindergartenalter
viel fernsieht, nämlich mehr als drei Stunden, der hat später ein enorm
hohes Risiko, die Schule
abzubrechen, nämlich 25 Prozent. In dieser Gruppe der Vielseher finden
sich nur ganz wenige Kinder, die später einen Hochschulabschluss machen:
zehn Prozent. Diese Langzeitwirkung ist etwas, das noch viel zu wenig
beachtet wird.”
Die Mehrheit der Leute, die das lesen oder hören, gehen vermutlich davon
aus “Hochschulabschluss=Supererfolg” und “Schulabbruch=absolute
Katastrophe”.
Falls es tatsächlich so sein sollte: kann man die Entwicklung wirklich
auf den Aspekt Fernsehen reduzieren? Was ist ist es sonst so in den
Familien? Wie sind die Beziehungen? Werden die Kinder von den Eltern
unterstützt? Wieviel Druck oder Unterstützung bekommt die Familie von
aussen? Wie verbringen die Eltern ihre Zeit?
Und sonst würde mich eher als die Quote der Schul- und
Hochschulabschlüsse interessieren, wieviele dieser untersuchten Kinder
und Jugendlichen mit ihrem Leben zufrieden sind, ob sie sich (jenseits
von Zeugnissen und Diplomen etc.) erfolgreich fühlen …
Wie ist der Unterschied zwischen Kindern, die respektvoll und mit
Fernsehen aufwachsen konnten, und Kindern, die respektvoll und ohne
Fernsehen aufgewachsen sind?
Ich war letztens ausnahmsweise mal wieder in Studentenambiente, und
ziemlich schockiert. Da studieren intelligente junge Leute jahrelang ein
Fach, das sie selbst ausgewählt haben, dass sie demzufolge wohl
interessiert – und dann zermartern sie sich monatelang den Kopf darüber,
über welches Thema sie die Magisterarbeit schreiben sollen, nicht
etwa, weil sie sich nicht zwischen den vielen spannenden Themen
entscheiden können, sondern weil ihnen NICHTS einfällt, oder weil sie
nicht wissen, womit sie es dem Prof Recht machen können. Vor 10 Jahren
schien mir das alles normal, da war ich selbst grad am Diplomarbeit
schreiben, mit Depressionen, Schlafstörungen etc.
Da hoffe ich echt nur, dass meine Tochter SO nicht studieren will.
LG
Lisa
Und noch eins:
“Spitzer: Wenn ich sage: Fernsehen macht dick, dann glaubt mir das jeder. Weil man vor dem Fernseher sitzt, sich nicht bewegt und dabei Chips isst. Wir nennen das einen Wirkmechanismus.”
Upps. Und wie oft haben die Kinder, die Chips essen vorher zu hören gekriegt: “Sitz ordentlich. Wenn du nicht schaust, schalte ich aus. Entweder Fernsehen oder Rumturnen. Wie oft hab ich dir schon gesagt, dass du nicht auf dem Sofa rumspringen sollst etc.”? Wie sehr ist ihr natürlicher Bewegungsdrang schon dadurch verdrängt worden, dass sie in der Schule oder gar schon im Kindergarten “gelernt” haben stillzusitzen und “sich zu konzentrieren”, weil als Zeichen von Reife gilt, andauernd-in-Bewegung-sein-wollen aber als irgendwie krankhaft, unnormal oder zumindest unreif angesehen wird.
Meine Tochter (knapp 5) sitzt seltenst länger als 10 Minuten still auf dem Sofa. Das Trampolin steht im Wohnzimmer, sie baut sich Kletterparcours und hüpft von Sofa zu Sofa, vom Sofa zum Trampolin und hört oft mehr als dass sie ruhig sitzt und guckt.
“Und dasselbe leistet die Hirnforschung im Hinblick auf die geistigen Wirkungen des Fernsehens: Sie kann nachweisen, dass Fernsehen dumm macht, aggressiv macht, Leseschwächen verursacht.”
Was möchte “die Hirnforschung” (wer ist das eigentlich konkret, was haben die für Ziele, Vorurteile, Sponsoren, Unterstützer …) nachweisen? Mit welchen Methoden? Wieviele unbeschulte und nicht durch ganz andere Dinge als Fernsehen “dumm gemachte” Kinder wurden wie untersucht?
Liebe Lisa,
du sprichst mir aus der Seele! Auch meine Tochter (7) springt, turnt, singt, tanzt, malt beim Fernsehen. Wir haben da ein altes Hochbett an dem sich sich hangelt, die Rutsche runtergeht… dann macht sie Mal Handstand, dann Purzelbäume… Und ja! Wie oft habe ich damals gesagt “jetzt bleib Mal still sitzen – entweder schauen oder rumhampeln!!!” Oh graus!
Wieviele unbeschulte oder nichterzogene Kinder in der Hirnforschung Beachtung finden würde mich auch Mal interessieren. Ich schätze Mal so 0% ;-)
Es gibt wirklich Daten über Fernsehverhalten. Da kam heraus, dass Kinder nur sehr wenig Zeit vor dem Fernseher mit fernsehen verbringen. Interessant wäre, wie viel Zeit “unerzogene” Kinder vor dem Fernseher verbringen (und dabei fernsehen).
Wenn man da einen Weg findet verlässliche Daten zu gewinnen könnte ich das einreichen (wenn es mir gelingt den Prof zu überzeugen, aber ich glaube, das wäre machbar).
Liebe Grüße
1000Sunny