Unabhängigkeit vom TV-Programm

Johanna, 30.07.2007

Ich habe schon länger nicht mehr von unseren eigenen Erfahrungen berichtet, obwohl so viel passiert ist!

Zunächst möchte ich über das Fernsehen berichten. Seit August 2006 haben wir keine Einschränkungen mehr in Sachen Fernsehen gemacht. Ab und zu ergriff mich zwar schon die Panik, und ich habe Mal was gesagt, aber im großen und ganzen kann man sagen, dass wir gar nicht mehr eingeschritten sind.

Das “Aufholen” war dann doch sehr anstrengend für uns. Die ersten Monate hat unsere Tochter, damals 7 Jahre alt, wirklich nichts mehr gemacht, außer fern zu sehen. Da sieht man, was man überhaupt anrichtet! Sogar Freunde wurden weggeschickt; Angebote von uns, etwas gemeinsam zu unternehmen, wurden abgeschmettert. Das war schon ziemlich hart.

Danach hat sie nicht mehr soo viel fern gesehen, aber immer noch 3-4 Stunden pro Tag. Irgendwann ging uns die ständige Geräuschskulisse auf den Keks, sodass wir das Thema angesprochen haben. Der Fernseher und ihr Computer landeten nach langem hin und her in den “Medienraum”. Damit waren wir nicht besonders glücklich, weil nun Fernsehr und Computer gleichzeitig liefen, was mich zum Teil schon ziemlich kirre gemacht hat. Ab und zu bin ich reingegangen und habe gesagt, sie solle eins von beiden ausmachen – dabei habe ich mich aber auch nicht soo wohl gefühlt.

So ab April oder Mai 2007 war es schon deutlich besser. Fernsehen war nur noch ein Zeitvertreib für Langeweile. Freunde wurden (und werden noch) stets bevorzugt. Wir erleb(t)en Ärger darüber, dass Freunde bei uns lieber fernsehen als mit ihr zu spielen, weil sie das zu Hause nicht so uneingeschränkt dürfen. Der Apparat war zwar immer noch 3-4 Stunden oder länger an, aber oft nur noch so im “Hintergrund”, während sie was anderes spielte, so als “Kassette” und um zu wissen, was läuft. Wenn was Interessantes lief, ging sie halt hin. Angebote von uns wurden aber zunehmend angenommen, der Fernseher dafür ausgemacht (zu anfangs erst “nach der Serie”, dann auch mittendrin). Sie selbst startete einige Versuche, anderen Aktivitäten (Kunstwerkstatt, Glasbläserei) nach zu gehen, die leider oft zufällig gescheitert sind, aber es war ein Anfang. Diese Entwicklung war schon sehr beruhigend und bestätigte uns in unseren Entscheidungen.

Doch dann fing der Kleine (zur Zeit 22 Monate) auch an, mitzugucken, was für mich zwar kein Problem an sich ist, aber mir bereitete Sorgen, dass meine Tochter quasi “für ihn” den Fernseher an lies, während sie Computer spielte oder so. Sie stellte ihn regelrecht da ab, weil sie dann in Ruhe spielen konnte. So lief der Fernseher eine Weile wieder den ganzen Tag und mich nervte, dass ich gar keinen Überblick darüber hatte, wie viel sie nun wirklich TV konsumierte – ja, ihr habt mich ertappt, auch ich mache mir manchmal Sorgen und wollte gerne den TV-Konsum wenigstens beobachtend kontrollieren, ich darf doch Mal normal sein? ;)

Ich habe schon immer geahnt, dass die Selbstregulierung in Sachen Fernsehen nicht so gut klappen kann, wenn man abhängig vom den Sendezeiten ist: bestimmte Serien kommen nur zu bestimmten Zeiten, man kann nicht selbst wählen, wann man was gucken will. Oft wollte sie zwar schon gerne mit mir in die Stadt, aber sie hatte Angst, ihr Programm zu verpassen. Sie war immer noch “fremdbestimmt”, wenn auch nicht durch uns.

Diese Angst vor dem Verpassen schien mir gar nicht so “echt”. Ich glaube, wir haben das hervorgerufen, indem wir das Fernsehen früher kontrolliert und eingeschränkt haben. So hatte sie schon damals ständig das Gefühl, was zu verpassen, und selbst als sie freien Zugang hatte, behielt sie dieses Gefühl (zwar nicht ganz zu unrecht, eben wegen der Sendezeiten, aber kam mir trotzdem künstlich vor).

Obwohl ich es anderen Eltern immer rate, haben wir es nie geschafft, uns um einen funktionierenden Videorekorder zu kümmern, bis wir vor kurzem The Tube entdeckt haben. Das ist ein kleines USB-Gerät, dass Fernsehen empfängt und in den Computer überträgt. Das tolle: Man kann damit die Programme einfach digital aufnehmen und später angucken. Man kann sogar etwas aufnehmen und während der Aufnahme schon anschauen, also zeitversetzt. Schade nur, dass man (noch) keine Aufnahmen programmieren kann. Wie auch immer – das Ding wurde installiert, nach ein paar Tagen durfte das Fernsehgerät in den Keller – “Jetzt kann ich ja sowieso immer alles aufnehmen”.

Was passierte? Zunächst spielte sie am PC und schaute gleichzeitig fern, das Fernsehprogramm in einem “kleinen” Fenster am Bildschirmrand :D Clever, die Kleine. “Sie lernt Multitasking”, beruhigte ich mich… ;)

Und jetzt plötzlich, ein Woche später, ist sie völlig losgelöst. Offenbar reicht allein das Wissen um die Möglichkeit, dass man immer fernsehen kann und nie was verpassen wird, was man gerne sehen wollte, um sich wirklich davon zu befreien. Ich empfehle also hiermit allen Eltern, die beim Loslassen des Fernsehens Probleme haben, sich ein digitales Aufnahmegerät (es gibt so ne Art Festplatten-Videorekorder) bzw. einen Fernseh-Stick zu besorgen, oder wenigstens einen Videorekorder, um den Kindern echte Unabhängigkeit vom Fernsehprogramm zu ermöglichen. Das raten die Unschooler in den englischen Mailinglisten auch immerzu, die haben aber dort noch was viel tolleres: TiVo, damit kann man vom Programm selbst wählen, was man wann guckt, ohne es aufnehmen zu müssen, allerdings ist das kein kostenloser Service, sondern Pay-TV.

Zur Zeit schaut sie überhaupt kein Fernsehen mehr, sondern nur noch ihre Lieblingsfilme, die wir auf DVD haben, bzw. selbst ausgesuchte Filme aus der Videothek (zur Zeit überwiegend Mangas, wovon sie nun auch Comic-Bücher liest). Geschätzte Zeit im Durchschnitt: 1-1,5 Stunden pro Tag, werbefrei und selbstbestimmt.

Ich bin ehrlich gesagt total überrascht und zugleich begeistert. Selbst wenn sie wieder 5 Stunden pro Tag schauen würde – ich wüsste, es ist weder eine Entscheidung aus der anerzogenen Angst heraus, etwas zu verpassen, noch eine Maßlosigkeit aufgrund von frührerer Kontrolle, noch eine Art Abhängigkeit von den Entscheidungen der TV-Sender, sondern einzig und allein ihre freie Entscheidung.

Ich fühle mich regelrecht selbst befreit! Wahrscheinlich ist die Last der Verantwortung von mir gefallen, diese manchmal doch hervorlukende Angst, es könnte sich doch als Fehler erweisen, ihr uneingeschränkten Zugang zu den Medien zu gewähren. Phew, noch Mal gut gegangen ;)

6 Kommentare zu “Unabhängigkeit vom TV-Programm”

Es wurde Zeit, dass dieses erste ‘Experiment’ Früchte trägt!!!
(Experiment deshalb in Anführungsstrichen, weil ja letztlich jede elterliche Haltung gegenüber dem Fernsehen/PC-Spielen ein Experiment ist)
Ich freu’ mich mit Euch! :)))

Übrigens beobachte ich diese Phobie oder den Ärger bei meinem Sohn auch, etwas zu verpassen (Fall unserer TV-Zensur: Oktober 2006). Ich empfinde es zwar nicht als gespielt, aber dennoch hat es eine gewisse Dramatik (wie immer, wenn mein Sohn sich weh getan hat, sich übervorteilt fühlt, etwas nicht schafft etc.)
Insofern finde ich Deinen Tipp mit dem Tube-Stick richtig gut – danke!

Mein Sohn guckt immer noch ausgiebig fern (3-4 Stunden tägl.), er hat aber schon von Anfang an bei laufendem Fernseher immer mit seinen Brüdern getobt (die übrigens seeeehr viel weniger ferngucken, dafür etwas konkreter in ihren Wünschen sind), ist auf dem Bett rumgehüpft (nachdem wir einen alten Fernseher in unserem Schlafzimmer aufstellten, weil uns die Geräuschkulisse im Wohnzimmer auch ganz schön störte), ließ sich also gerne mal ablenken (bloß nicht von uns Eltern!!).

Nach einem halben Jahr setzte auch wieder das Interesse an Verabredungen mit Freunden ein, wobei immer noch das Festhalten am Fernsehen überwog. Ziemlich zeitgleich gewann auch das Fußballtraining wieder an Attraktivität, wobei sich mein Sohn immer vorbehielt, recht spontan zu entscheiden, wie sein Tagesablauf nach der fremdbestimmten Zeit in der Schule (mitsamt den Hausaufgaben!!) aussehen sollte.

Nach der ausgiebigen Schulpause und dem Auskosten der anderssprachigen Kinderserien bei den Großeltern hatte mein Sohn Ende August eine Woche lang keinen Zugang zum geliebten Fernsehprogramm (wir haben zuhause die volle Pallette zur Verfügung!), was offenbar ok war. Danach habe ich aber mit Erstaunen beobachtet, dass gegen Ende der Kindersendungen (insbesondere, wenn irgendwelche Moderatoren das scheinbar viel spannendere Trickfilmprogramm ablösen), also ca. 18.30 Uhr plötzlich der Fernseher aus ist! Und das mehrere Tage hintereinander. Ohne Aufforderung, weil wir in Ruhe essen wollen. Seit ein paar Tagen ist auch der kleine Fernseher in unserem Schlafzimmer nicht mehr in Betrieb – auch das hat keine Panik bei meinem ausgelöst (und das hätte es vor Monaten mit Sicherheit!).

Es scheint sich also alles auf dem Wege der Normalisierung zu befinden. Ich denke im Nachhinein, dass – zumindest bei meinem Sohn – viel von dem ‘Fernsehrausch’ nicht nur damit zu tun hat, dass sein Fernsehkonsum vorher meiner Zensur unterlag, sondern zudem mit der fremdbestimmten Zeit durch die Schule/HA. Quod est demonstrandum … ;)

Nur kurz zu den jüngeren Geschwistern des eben beschriebenen 8-Jährigen: der 6-Jährige hat viel mitgeguckt, hat sich aber relativ schnell wieder eigenen Tätigkeiten zugewandt. Er probiert sich gerade in Taktik-PC-Spielen aus. Er liebt ‘Age of Empire’ und ‘Age of Mythology’ und lernt und lernt jeden Tag mehr. Ich bin gespannt, welches Verhältnis er später zu Geschichte entwickeln wird (vermutlich wird er sehr zweidimensionale Bilder von den Römern, den Ägyptern etc. haben LOL).
Der Jüngste (inzwischen 3) hat auch viel geguckt. Aber da vornehmlich nach Bestellung: Tom and Jerry, Den kleinen Maulwurf, Pixar-Produktionen – einiges davon mindestens 30x! Auch mit dem Aufstellen des kleinen Fernsehers in unserem Schlafzimmer wurde das Seriengucken (Au Schwarte, Spongebob etc.) für ca. 5 Monate interessant. Er guckt immer mal bei den Großen mit, aber wendet sich – noch öfter als sein 6-Jähriger Bruder – Nicht-TV/PC-Spiel-Interessen zu, nutzt das Kinderzimmer (manchmal frage ich mich, wofür wir das eigentlich haben …), das Badezimmer, geht raus, möchte gleichaltrige Freunde treffen. Ich habe nicht den Eindruck, dass er irgendeinen ‘Rausch’ ausleben muss. Es scheint mir wie ein natürliches Beeindrucktsein von dem Medium, dann ist aber auch gut!

Alles in allem musste ich viel aufgeben von meiner Missachtung gegenüber dieser lauten Geräuschkulisse und dem aggressiven Ton z.B. in der Werbung, weil ich auch mal mitgucken wollte und die Kinder das auch einforderten.
Wir haben oft auch darüber gesprochen, was wir sahen. Übrigens ist es in diesem fast ganzen Jahr vielleicht drei- oder viermal vorgekommen, dass der 8-Jährige einen Erwachsenenfilm sehen wollte. Er hat auch mehrmals in eine dieser Reality- und Talksendungen reingezappt, ist aber nie länger als vielleicht 5 Minuten dabei geblieben (sofern ich das beobachten konnte). Bei richtigen Actionfilmen wollte er immer Körperkontakt mit uns und forderte auch ein, dass ich ihm mit meiner Hand die Augen verdecke, wenn er sich fürchtete (ansonsten ist er kein besonders zartbesaitetes Bürschchen). Ich habe nicht erlebt, dass ihn das stark beeindruckt hätte oder er das nicht verarbeiten konnte (allein ein Umweltkatastrophenfilm schien ihn beeindruckt zu haben, das konnte er aber schon auf intellektueller Ebene verarbeiten, wie mir schien). Bevorzugt wurden grundsätzlich ‘Familien’-Sendungen wie UUps, die Pannenshow oder Mr. Bean. Dass diese Fernsehpraxis sein Bewusstsein für Filmdramatik, -genres, -mittel etc. enorm geschult hat, brauche ich, glaube ich, nicht weiter zu erwähnen …

Bei dieser Kommentarlänge muss ich mich nun abschließend doch für dieses ‘Forum’ bedanken, Johanna, nun konnte ich meine Erfahrung auch mal loswerden ;)))
Also, danke! :))

Wow, danke für diesen Erfahrungsbericht. Sehr spannend. Ich bin gespannt, wie die weitere Entwicklung verläuft…

Nachdem meine Tochter (8) seit einem Jahr bei der Bibliothek nur noch Computerspiele ausgeliehen hat, hier und da Mal eine Kassette, ach ja und tonnenweise Ägypten-Bücher (immer alle die es gab ;) ) – hat sie nun Mal Harry Potter als Hörbuch-CD ausgeliehen (27 CDs). Ich hatte schon öfter Mal angeregt, dass wir Mal die Bücher zusammen lesen, weil sie die Filme so toll findet, wollte sie aber nie. Nun ist sie total begeistert und redet die ganze Zeit davon, welche Unterschiede es zwischen Buch und Film gibt, und dass sie nichts dagegen hätte, wenn der Film genau so lang wäre wie 27 CDs :)

[...] Glücklicherweise wird die Linearität des Patriarchats von immer mehr Menschen durchbrochen – teilweise unter großen Anstrengungen. Viele geben den “Druck nach unten” auf, so wie Johanna bei ihrer Tochter die Fernsehbeschränkungen aufgibt – “Unabhängigkeit vom TV-Programm” – und alle Beteiligten Freiheit gewinnen. [...]

Und doch sehe ich das “Experiment” sehr skeptisch.
Mir fehlt die Beachtung der Tatsache, dass hinter dem Fernsehen eine riesige Industrie steht, die massiv und höchst geschickt manipuliert. Alles – Farbe, Schnitt (der Blickwinkel im Film wird im Durchschnitt genauso oft gewechselt wir ein Mensch sein Auge beim Betrachten bewegt), Musik, Tempo – ist auf Wirkung bedacht und übertrifft deswegen an Reiz sehr oft die reale Umwelt (Natur, Beziehungen etc.). Und es ist ein allgegenwärtiger Lückenfüller, der “leere” Stellen im Alltag verhindert, die sonst Gelegenheit sind für Langeweile, Selbstbeschäftigung, Beschäftigung mit sich selbst etc.
Die Gefahr des “Nicht-Erziehens” ist, dass ich mein Kind allein lasse gegenüber einem Fernsehen, das mein Kind bewusst und intensiv manipuliert. Erfolgreich manipuliert, selbst Erwachsene können sich dieser Fremdbestimmung schwer entziehen.
Also denke ich, ich muss diesem Manipulationsversuch gegenüber meinem Kind etwas entgegensetzen. Ich kann der Fernseh-Industrie die Fremdbestimmung nicht verbieten…
Damit komme ich scheinbar in Schwierigkeit mit der “Nicht-Erziehung”? (Hat ja keiner gesagt, dass es einfach ist.)
Ich sehe zwei Wege, meine Kinder zu unterstützen.
1. Sie sollten wissen (i.S.v. begreifen, erfahren), wie diese Fremdbestimmung manipuliert. Das fängt damit an, dass wir über das Fernsehen sprechen, über das Schauspielern, wie der Film “gemacht” wird, und wird fortgesetzt damit, dass die Kinder in der (Freien) Schule selber Filme gedreht haben. Damit durchschauen sie recht schnell oben genannte Technologie der Verführung.
2. Ich bin eine wichtige Bezugsperson für meine Kinder… und bei mir erleben sie den Bezug auf Fernsehen so wie ich es als Kind erlebt habe: Fernsehen spielt keine Rolle, in der Wohnung (und schon gar nicht in den wichtigen Lebenszimmern) steht gar keiner. Lasse ich mich vom Fernsehen nicht Fremdbestimmen, ist das eine prägende Erfahrung für meine Kinder. So spielt Fernsehen in unserem Leben keine große Rolle.

Um Missverständnisse auszuschließen: das ist kein Fernsehverbot. Fernsehen ist sogar erreichbar, in der Großvater-Wohnung steht einer. Wenn es dem Kleineren danach ist, geht er dahin und schaut. Dem Größeren ist nie danach.

Nachdenkliche Grüße…

Jürgen

Hallo Jürgen,

diese beiden Möglichkeiten werden durch “Nichterziehung” nicht ausgeschlossen. Der Nichterziehung liegt vor allem eine gewisse Haltung zu Grunde. Während manche Dinge ganz eindeutig “erzieherisch” sind, gibt es gewisse “Grauzonen”, also Dinge, die je nach Haltung “erzieherisch” oder auch “nicht-erzieherisch” “gewertet” werden können.

Wenn du die erzieherische Haltung hast, können beide von dir beschriebene Möglichkeiten, erzieherisch wirken (oder es versuchen ;) ) – etwa, wenn du eben ein ErziehungsZIEL hast (die Kinder sollen X lernen – z.B. lernen, wie böse und unnütz und sinnlos und manipulativ das Fernsehen ist), könntest du vielleicht stäääändig und nervig und immer wieder mit deinen Kommentaren und Wünschen zum Gespräch über das Fernsehen ankommen, du könntest dich aufdrängen etc – oder du könntest eben richtig manipulativ eingreifen – das stünde im krassen Widerspruch zu dem, wovor du beim Fernsehen Angst hat, dass nämlich dein Kind manipuliert wird!

Wenn du keine erzieherische Haltung zu Grunde legst, dann sind deine Handlungsmöglichkeiten aus “unerzogen-Sicht” völlig unbedenklich und ungefährlich. Du würdest auch Erwachsene informieren wollen, wenn du siehst, dass sie etwas tun, dessen Gefahren sie noch nicht kennen. Z.B. habe ich gar keine Skrupel, jemandem, der sich gerade erst mit 40 an Computer und Internet macht, über die Gefahr der Manipulation durch Werbung, Spam, Hoaxes, Viren etc. zu informieren. Ich weiß und gehe davon aus, dass wenn unsere Beziehung stimmt – und die stimmt im Idealfall auch mit meinem Kind (und darum geht’s ja auch!) – dass mir sowohl der Erwachsene als auch mein Kind dankbar für meine Hinweise und meine Informationen ist! Ich mache mir also gar keine Sorgen, dass meine “Handlung” “erzieherisch” rüber kommt und ich mache mir keine Gedanken, wenn ich keinen manipulativen/erzieherischen Gedanken dahinter habe.

Nichtsdestotrotz habe ich manchmal solche Gedanken :) Sie entstammen allermeistens der Angst.

Wichtig ist zu erkennen: Als Elternteil spielst du auch bei “nichterzogenen” Kindern eine ganz wichtige Rolle – umso mehr eigentlich, weil du Papa/Mama und Freund/in bist und eben nicht “nur” oder vor allem der “verantwortliche Erzieher”. Letzteres kann – nicht immer, aber doch sehr häufig – eher zu Rebellion, zu Widerstand und Ablehnung führen. So verliert man noch eher an Einfluss und an “Rolle” im Leben der Kinder, weil diese eben nicht manipuliert, gedrängt, geformt, erzogen werden wollen.

Sie haben aber grundsätzlich nichts dagegen, dass man ihnen hilft, sie unterstützt, sie informiert und durchs Leben begleitet oder Rat gibt. Bleiben wir einfach liebende Eltern und erfahrene Freunde (und liebende Freunde und erfahrene Eltern), werden wir sehr viel häufiger gerade bei sehr wichtigen Dingen um Rat gebeten, und selbst “ungebetener” Rat, wichtige Information, kann – wenn nicht ständig und aufdringlich, sondern wichtig und passend, als Angebot (statt Gebot) – gerade sehr wertvoll sein. Warum sollten sich deine Kinder dagegen wehren? Warum sollte man als Elternteil sich so was verkneifen müssen? Die bist die Orientierung, die deine Kinder haben, es ist gerade deine Rolle, eine der vielen möglichen Richtungen zu zeigen. Solange du deinen Kindern deine Richtung nicht aufzwängst, ist alles in Ordnung :) Konkret bedeutet das, dass wenn deine Kinder trotz deiner Information wählen, dass sie z.B. viel fernsehen wollen (was auch immer “viel” ist), dies eben ihr Weg ist (vielleicht nur temporär) und du das akzeptieren müsstest. Dein Weg ist immer noch da, und deine Kinder sind auf deinem Weg ja weiterhin immer willkommen. Und du kannst immer noch für deine Kinder da sein, auch wenn sie einen anderen gehen :-)

Liebe Grüße
Johanna

Wir haben ein Programm, mit dem wir alles vom Rechner aufzeichnen, ansehen und programmieren können (auch dauerhaft, also z.B. eine ganze Serie). Bei uns läuft es auf dem Mac, aber ich glaube, es gibt auch eine Windows-Version. Das Ding heißt EyeTV. Kann ich wärmstens empfehlen. Seitdem sammle ich fleißig “Willi wills wissen”, “Alpha centauri”, “Sendung mit der Maus” und alles, was mir interessant erscheint. Was wir haben, haben wir ;) Und ich bekomme selbst Lust auf all die spannenden Themen 8)

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