Elternführerschein?
Bei 1000Sunny (man, der schreibt so viel, kann man ja niemals mithalten!) wurde per Kommentarfunktion diskutiert, ob ein Elternführerschein für den Staat sinnvoll wäre oder nicht. Wird langsam darauf “hingearbeitet” – oder würden dadurch “viel zu gute Eltern” produziert, sodass es sich für den Staat “nicht lohnt”, weil dann die Kinder nicht mehr entzogen werden können? (Hm. Das klingt irgendwie so paranoid. Man beachte, dass das natürlich alles irgendwie so nebenbei läuft. Oder glaubt wirklich jemand, da sitzen irgendwelche in einer Kammer und denken sich aus, wie sie am Besten die Kontrolle über die zukünftigen Bürger erlangen können? Das würde mich wirklich interessieren.)
Der Elternführerschein wäre jedenfalls gut zum Kontrollieren der Bürger:
1. Wenn es einen Elternführerschein gäbe, gäbe es ja ganz klare Regeln, WIE gute Eltern zu sein haben. Aufgrund von ganz klar definierten und dann also auch objektiven “Regelverstößen” können die Kinder den Eltern noch viel leichter entzogen werden.
2. Der Staat kann mit dem Elternführerschein ganz genau vorgeben, wie Eltern mit ihren Kindern umzugehen haben, und wie nicht. Die Androhung, dass die Kinder bei Regelverstößen entzogen werden können, ist ja das Manipulationsmittel schlechthin. Wie leicht sogar selbstbewusste und im gleichberechtigten Umgang erfahrene Eltern bei solchen Androhungen einlenken, zeigen z.B. Islas und Thorstens Kommentare unter den entsprechenden Beitrag

Und was ist Dein Fazit – heißt das Du glaubst wirklich an den Eltern-Führerschein?
Liest Du bei mir mit? Ich fühle mich geehrt :) Ich hoffe meine Qualität leidet nicht zu sehr unter der Quantität
Hm. “Glauben an”? Ich glaube nicht, dass das irgendwie irgendjemand im stillen Kämmerchen für die Zukunft so gezielt plant. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es irgendwie unter welchem Namen auch immer (wahrscheinlich nicht wirklich “Eltern-Führerschein”) passiert. Eins führt zum andern, z.B. können ja die ganzen schrecklichen Maßnahmen, über die ich mich selbst aufrege, meiner Meinung nach ja zu nix gutem führen. Wenn Kinder immer mehr kontrolliert werden, werden diese bzw. die Jugendlichen nur immer rebellischer werden (oder schrecklich gefügig, noch schlimmer). Das muss dann wieder an anderer Stelle irgendwie korrigiert werden, was zu immer mehr Kontrolle oder in Worten Sabines “Pflicht, Pflicht, Pflicht, Zwang” führt. So schleichen sich dann langsam immer mehr Ideen ein… wie vielleicht erst Mal freiwillige Elternführerscheine. Und wer dann Probleme mit dem JA bekommt, aber nen EF hat, der wird dann eher in Ruhe gelassen—dann lohnt es sich doch, einen zu haben, z.B. Oder keine Ahnung, wer keinen hat, dem wird das halt nahe gelegt. Oder auferlegt, wenn er seine Kinder nackt durch die Gegend rennen lässt… oder was weiß ich—die Politiker sind doch kreativ.
Übrigens, das erste Mal in diesem Jahr, an dem mein Sohn sich am See ausgezogen und dann aber aufgrund der Wärme (nach seinem Empfinden) nicht mehr anziehen wollte, haben wir hinter uns. Ich wette 90% derjenigen, die uns angeglotzt haben, haben mit dem Gedanken gespielt, das JA zu informieren. Bilanz:
– Eine erwachsene Person schüttelte den Kopf, und sagte “Warum nackt? Warum nackt?”, ging aber weiter, war auch keine wirkliche Frage an uns.
– Ein Mann fragte, ob er ins Wasser gefallen sei—er brauchte wohl einen “guten Grund”, um es OK zu finden. Auf unser “nö” antwortete er nicht.
– Eine erwachsene Person ist uns extra nachgegangen und hat auf 10 Metern Entfernung uns angebrüllt, das sei unerhört und überhaupt (hab ich leider nicht mitgekriegt, ich dachte, sie schreit andere Leute an, wäre ja auch nie auf die Idee gekommen, dass sie uns meinen könnte. Mir erzählte das dann Maurice).
– zahlreiche Leute haben einfach nur geguckt, nur wenige hat es scheinbar überhaupt nicht gejuckt.
– Alle Kinder haben uns begeistert und/oder verwundert nachgeschaut.
Ich bin sicher, da sind einige Menschen dabei gewesen, die ein Elternführerschein (oder irgendwas ähnliches) total gut fänden.
Google-Suche ergab Eltern-Führerschein Artikel aus den Jahren 2007-2008:
“Eine Umfrage der Zeitschrift Geo Wissen im April 2006 ergab, dass sich fast jeder zweite Bundesbürger für verpflichtende Erziehungskurse für werdende Eltern ausspreche. ‘Die Probleme verwahrloster Familien kriegen wir nicht mehr allein durch Freiwilligkeit in den Griff’, so Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld.”
“Auch Schulen können Eltern stärker in die Pflicht nehmen. Eine Berliner Hauptschule hat es vorgemacht und verpflichtet Eltern seit einigen Jahren zur Teilnahme an Seminaren, indem es die Aufnahme der Schüler daran knüpft. Die Schule setzt klare Grenzen und Regeln für Kinder und Eltern: wer die nicht einhält, muss Konsequenzen tragen. So können Jugendliche, die zu spät zum Unterricht erscheinen aus Lerngruppen ausgeschlossen werden und Eltern, die dreimal nicht zum Eltern-Seminar erscheinen, müssen ihr Kind auf einer anderen Schule unterbringen – einmal soll das bisher vorgekommen sein. Mit dieser Konsequenz wird den Eltern geholfen, selbst konsequent in der Erziehung zu sein.”
Beide aus: http://www.ard.de/zukunft/kinder-sind-zukunft/kinder-sind-zukunft/elternfuehrerschein/-/id=520628/nid=520628/did=540910/1jxdtqy/index.html
Das Modell dieser Autorin ist ganz einleuchtend: Erziehungskurse einfach verpflichtend in der Schule! Nicht schlecht, sag ich doch, das lässt sich doch überall irgendwie einmogeln!
Hallo Johanna
wie kalt war es denn?
Liebe Grüsse
Bettina
Zwischen 15 und 19° C.
Das mit diesen ganzen Verschwörungstheorien ist schon erstaunlich. Manchmal lese ich auf den CDU/CSU Blogs rum. Da glauben auch sehr viele, dass wir eine Art 68er-Verschwörung darstellen (oder die ganzen Freiheitsliebenden, Kindergleichbehandler und Schulreformer). Die fühlen sich ganz hilflos und überrollt.
Und dann haben wir so offensichtliche Beispiele, wie die Erfindung der Atomenergie und der Entdeckung der Evolution – die schon kurze Zeit später zur Atombombe und zum Sozialdarwinismus umfunktioniert wurden. Jetzt würde aber niemand auf die Idee kommen, dass Darwin unter Anleitung für Hitler gearbeitet hätte – oder Einstein und die Crew für die Massenvernichtung großer Städte eingetreten wären.
Da war nirgends ein Masterplan dahinter; und es wäre auch schwer einen zu entwickeln – was man da alles beachten müsste.
Die Realität ist irgendwie so verästelt und auch oft so widersprüchlich, dass man sich doch hin und wieder denkt: “Das muss doch alles irgendjemand planen – so gezielt können sich doch Muster nicht über Jahrhunderte entwickeln und zu solchen Ergebnissen führen, ohne konkrete Planung”
...wo habe ich eingelenkt? Ich bin absolut gegen den Elternführerschein.
Ich sehe nur nicht den Zusammenhang zwischen einer Planung dessen und dieser diskutierten Sendung.
Ob ein Elternführerschein in Planung ist könnte ich garnicht sagen. Die planen ‘da oben’ eine ganze Menge mehr, als wir uns jemals ausmalen.
Ich könnte mit so einem ‘Führerschein’ garnicht leben.
Dann würde ich schon eher das Land verlassen.
Ich sehe generell einfach nicht die Aufregung über diese Sendung. Die Sendung ist ja nicht auf unserem Mist gewachsen, sondern nachgemacht – aus anderen Ländern, wo es auch keinen Elternführerschein gibt.
Interessant finde ich all die Rechtfertigungen der Eltern, dass man die ersten Tage in der Krippe und Kita nicht mit den Tagen in dieser Sendung vergleichen kann.