Bundeswehr kooperiert jetzt mit Schulen in Rheinland-Pfalz
“Mit der nun unterzeichneten Vereinbarung werden Bildungsministerium und Jugendoffiziere auch offiziell zu Partnern in der politischen Bildung. Neben regelmäßiger Kommunikation werden insbesondere Formen der gegenseitigen Unterstützung geregelt.”
“Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur baut die bereits seit Jahren enge Zusammenarbeit mit den Jugendoffizieren der Bundeswehr weiter aus. Dazu unterzeichneten die Bildungsstaatssekretärin im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Vera Reiß, und der Befehlshaber im Wehrbereich II, Generalmajor Gerhard Stelz heute eine Rahmenvereinbarung zwischen der Landesregierung und der Bundeswehr über den Einsatz von Jugendoffizieren in den Schulen,” heißt es auf dem Bildungsserver Rheinland-Pfalz über das Rahmenabkommen.
Kein Wunder, dass sie Homeschooling nicht zulassen wollen. Wäre ja dann auch zu kompliziert, in Sachen “wie gut die Bundeswehr doch ist”-Indoktrination, ständig Rahmenabkommen mit einzelnen Familien unterzeichnen zu müssen…
Via Anderslautern

Ich finde diesen Blog hier normalerweise sehr gut und interessant. Hier in diesem Beitrag sehe ich jedoch eine bedauerliche ideologische Voreingenommenheit.
Natürlich ist es Aufgabe der Jugendoffiziere, die Bw in ein gutes Licht zu rücken und Interesse an dem nicht gerade unumstrittenen Beruf wecken. Aber “Indoktrination” gehört ganz sicher nicht dazu. Das würde wohl auch “nach hinten losgehen”.
Ich habe ein Dreivierteljahr lang mit denen zusammen gearbeitet und bilde mir ein, das beurteilen zu können.
Was die Jugendoffiziere in den Schulen tun (sollen), ist Interesse an politischer Bildung vermitteln und einen Einblick in die komplexen Zusammenhänge (globaler) Politik, insbesondere Sicherheitspolitik. Wer die Bw hinterher (erst dann oder dann immer noch) doof findet, oder Armeen generell für eine schlechte Idee hält, kann dies dann zumindest vernünftig begründen.
(Politisches) Desinteresse und Vorurteile sind Dinge, die in einer Demokratie keinen Wandel bewirken können. Zumindest keinen Wandel zum besseren. Wer die Bw abschaffen will, muss sich in erster Linie für gesellschaftlichen Wandel einsetzen, der Armeen überflüssig macht. Das Wissen, was man aus Pol&IS-Planspielen etc. mitnimmt, ist da sicherlich nicht verkehrt.
Mit demselben Indoktrinations-Argument könnte und sollte man sich ansonsten auch dagegen wehren, dass Schüler von externen Fachleuten aus der freien Wirtschaft unterrichtet (oder eben kapitalistisch-marktwirtschaftlich indoktriniert) werden, wie dies in manchen Bundesländern geplant ist.
Hm. Vielleicht war das einfach zu knapp formuliert. Ich finde, die gesamte Schule ist ein Instrument des Staates zur Indoktrination. Aber das ist ein ganz weites Feld, dass ich vielleicht bar nicht hätte anreissen brauchen, wenn ich nicht auch die Zeit habe, es komplett abzudecken.
Ist dir wirklich wohl bei der Sache, dass deine Kinder von der Bundeswehr quasi direkt über ihre “guten Taten” informiert werden? Werden sie sich selbst auch kritisch betrachten? Wird es eine Gegendarstellung geben als Angebot? (Durch Einheimische) unaufgeforderte Einmischung in Angelegenheiten anderer Völker und Gebiete ist jedenfalls extrem erzieherisch ;)
Wie fändest du es, wenn die Bildungsministerin mit der Katholischen oder Muslimischen oder Evangelischen Kirche ein “Rahmenabkommen” getroffen hätte, sodass Missionare in die Schulen kommen und “Aufklärung” betreiben? (Ist das etwa nicht vergleichbar? da bin ich offen! Nur her mit den Informationen. In erster Linie war ich erst mal gefühlsmäßig geschockt)
Danke für dein Kommentar. Ich werde mal weiter drüber nachdenken ob und welche Links zu diesem Thema noch zusammentragen könnte… vielleicht mag ja jemand mithelfen.
LG
Johanna
Mit ist bei vielem in unserem Bildungssystem nicht wohl. Ich hoffe, dass es mir gelingt, unserem Junior kritisches Hinterfragen “beizubringen” (hast Du ein besseres Verb zur Hand?). Und dann sollte Junior in der Lage sein, sich seine eigene Meinung zu bilden.
Die Jugendoffiziere gehen auch schon seit Jahrzehnten in die Schulen auf Jugendmessen etc. Neu ist wohl nur die Institutionalisierung durch dieses Abkommen, was letzlich heißt, dass der Bildungsträger eben einen Rahmen vorgibt.
Rahmenabkommen mit Kirchen gibt’s doch schon seit Ewigkeiten. Es gibt viele Schulen, wo der Religionsunterricht von Priestern erteilt wird. Und das tägliche Morgengebet kenne ich auch aus der Grundschule.
Hallo Johanna,
vielen Dank für deine Information. Gerade im Zusammenhang, mit diesem Beitrag:
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Bundeswehr/arbeitsagentur.html
der auf der von Dir verlinkten Web-Seite (und mir schon bekannt war) zu finden ist, ergibt sich doch ein rundes Bild:
Die Schüler werden in einer Zeit, in der sie ja sowieso alles glauben SOLLEN, schon einmal darauf vorbereitet, später mal einen Perspektive im Leben zu haben. übelwerd
Viele Grüße
Ich bin zwar für Frieden und friedliches Miteinander, aber wie es Jan darlegt, finde ich es auch wichtig: die SchülerInnen brauchen Aufklärung in allen Feldern und Politik und das Wecken politischen Interesses kommt in der Schule zu kurz. Und da sehe ich eine Chance, wenn Jugendoffiziere das übernehmen.
Auch deshalb, weil man die deutsche Bundeswehr und dieses Abkommen, kaum mit der amerikanischen Army-Werbung vergleichen kann. Ich habe Offiziere meist sehr offen erlebt.
Da mache ich mir über die Priester u.ä. in unseren Schulen wesentlich größere Sorgen, weil im Gegensatz zur Bundeswehr, sind sie kein Organ des deutschen demokratischen Staates!
Giraffe
Gerade im Zusammenhang mit der Schulpflicht, würde ich mich viel wohler fühlen, wenn meine Kinder einen wertfreien Unterricht erleben könnten, denn wie soll sich ein junger Mensch ein Bild von der Welt machen können, wie soll ein junger Mensch dazu beitragen können, diese Welt zu gestalten, wenn er in der Schule schon in eine bestimmte (Denk)Richtung geführt wird. Oder wo ist der Friedensaktivist, der die andere Seite der Medaillie beleuchtet? Klar, wäre es möglich, diesen Aktivisten in die Schule zu holen, aber auch daduch wäre keine Wertfreiheit hergestellt, denn es gibt sicher immer auf beiden Seiten und dazwischen unzählige Möglichkeiten. Vom Army-Anwerber bis zum Bundeswehr Offizier wie er hier dargestellt wurde, aber auch vom vollkommenen Kriegsgegner bis zu den Menschen, die nur bestimmte Kriege ablehnen. Da es gerade der Schule nicht möglich ist, immer die komplette Bandbreite solcher Werte (wenn es überhaupt welche sind) darzustellen, sollte sich die Schule aus allen diesen irgendwie emotional besetzten Bereichen raushalten und beim reinen Wissen bleiben (wenn es dass gibt…). Aber natürlich hat gerade die Staatsschule einen Auftrag auch weit weg vom reinen Bildungsauftrag. Sie will Staatsbürger schaffen. Sie will damit ihren Staat so weiterführen, wie er ist. Mit all den Ungerechtigkeiten und mit all den Kriegen, denn auch diese sind Staatserhaltend und gehören zum heutigen System. Also auf jedenfall Armee raus aus den Schulen! (Wenn schon Schule….)
LG
Andy