TV und Internet als Inspirationsquelle

Johanna, 14.03.2010

“Mama, ich hab eine Idee, wir können doch Kartoffeln so schneiden und dann mit Farbe und Papier und so schneiden”...
Gemeint ist das beliebte Kartoffel-Stempeln.

Wie er auf die Idee kommt, frag ich mich? “Wo hast du das denn her mit den Karfoffeln”, frag ich, während ich schon eifrig vorbereite, “vom Fernsehen oder was?” – “Von meinem Computer”, erzählt er mir. Aha. Wohl bei Youtube von den Italienisch-Trickfilmen, die gerade aktuell sind, auf irgendwelchen Bastelanleitungen für Kinder gelandet…

Update: Die Idee hatte er von der Sendung mit dem Elefanten Website. Leider ist kein Direktlink möglich, da komplett alles in Flash. Unter “Filme” mit “Tania und Andre”, 5. Spalte, 3. Zeile. Hat er mir später auf Anfrage noch gezeigt.

Jedenfalls passt das sehr gut zur aktuellen Diskussion in der unerzogen Mailingliste – sollen Kinder wirklich freien Zugang zu den Medien (gemeint sind: Fernseher, DVD-Player, Internet/Youtube) haben bzw. ab welchem Alter? (Falls Bedarf für eine Zusammenfassung besteht, würde ich mal die besten Antworten (und meine) hochladen.)

Mir ist aufgefallen, dass gerade bei nicht erzogenen Kindern, die nicht in den Kindergarten gehen, der Fernseher bzw. der PC mit Youtube/Totlol* ein nicht zu unterschätzender und nicht minderwertiger “Ersatz” ist – positiv formuliert: eine Alternative – zum sonst üblichen “Angebot” an Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Ich würde mich ja – erst recht nicht als nicht erziehende Mutter – nicht hinsetzen und meinem Kind Kartoffelstempeln vorschlagen, und auf “natürliche” Weise würde das hier auch nie stattfinden. Auch im Kindergarten ist die Aktion “Kartoffelstempeln” mehr als konstruiert – fällt mir jetzt sogar auf – es ist dann nämlich eine Art Beschäftigungstherapie: “Heute machen wir Kartoffelstempeln” – ohne Grund.

Aber wenn mein Kind das selbständig im Internet gefunden hat und es dann nachmachen will – wurde es nun von den “bösen Medien” “beeinflusst”? Wäre es so viel besser/anders, wenn mein Sohn das von einem Bastelbuch hätte? Was er ja noch gar nicht lesen kann und vermutlich gar nicht erst öffnen würde (wir haben ein paar), weil da ja ansonsten auch keine Geschichten zu finden sind…

Noch eine Übertragung: ein Roboter, ich schätze, aus dem sehr empfehlenswerten, wunderschönen Spiel, das bei uns ein richtiges Familienspiel wurde mit tollen Rätseln – auch 3,5-jährige können mitspielen (sobald sie die Klickabfolge gelernt haben, brauchen sie nur noch Hilfe bei den Rätseln): Machinarium – vier Levels sind kostenlos, danach kostenpflichtig, aber wie gesagt, lohnt sich sehr! Für Mac, PC und Linux geeignet.


Er kann die Mund- und Bauchklappe öffnen, und was in den Mund gelegt wird, fällt in den Bauch, wenn es klein genug ist. Natürlich muss ich bei so was helfen, und zur Zeit mache das meiste ich. Er übernimmt aber mehr und mehr die Schneide- und Klebearbeiten, und langsam wird er selbst kreativ, da er jetzt gesehen hat, wie man etwas umsetzen kann. So sagt er mir, wo Öffnungen hin kommen sollen oder welche Gegenstände verarbeitet werden sollen.

Wichtig ist natürlich, dass man dann für diese Ideen zur Übertragung Lust, Zeit, Raum und Möglichkeiten (hier: Material) hat. Lust hab ich zum Glück, Zeit versuche ich einzuplanen (es ist gut, nicht perfektionistisch zu sein und zu beachten, dass ihm genaues Arbeiten zur Zeit wurscht ist), Raum für Unordnung ist genug und Material habe ich besorgt für 10 EUR: ein paar farbige Tonpapierrollen, eine Packung Heissklebepistole-Patronen, Tesaabroller mit drei Klebebändern, eine Packung Pfeiffenreiniger… Schere und Prittstift hatten wir schon – seit ein paar Wochen sammeln wir: leere Klopapierrollen, Arzneimittelpackungen bzw. kleine Verpackungen, Eierkartons, Joghurtbecher, Deckel und was sonst noch brauchbar erscheint… bei IKEA habe ich sehr günstig Filzstifte und Fingerfarben sowie eine dieser großen Papierrollen gekauft.

Inzwischen wurden übrigens auch Pacmans und die Geister in Kartoffeln geschnitzt…

Kartoffelstempel

  • Tipp: Totlol, eine Art “Kinderyoutube”, zwar kostenpflichtig aber sehr lohnenswert und nicht so teuer. Man kann in seinem Account eigene Videos anlegen (wird von Youtube gespeist), und wenn andere Eltern sie für als für Kinder geeignet empfinden, werden sie auch für andere Kinder freigegeben. Die Datenbank ist mittlerweile riesig. Die Kinder können sich wie bei Youtube selbständig “weiterklicken”, je nach Einstellung nur in der eigenen Liste oder auch durch die gesamten für Totlol freigegebenen Videos. Also wie bei Youtube, nur dass sie nicht nach einiger Zeit auf die Verarsche-Version(en) des jeweiligen Ursprungsvideos bzw. auf z.B. von Helikopteraufnahmen auf Kriegshelikopteraufnahmen landen, die mitunter gewalttätig bzw. für sehr junge Kinder verstörend sind.

4 Kommentare zu “TV und Internet als Inspirationsquelle”

Genau so. Ich habe schon sehr profitiert von den Computer und FernsehIdeen, denn mir mangelt es an eigenen Bastelideen. Aber bei der Umsetzung helfe ich super gerne. Meist zieht eine Idee eine andere nach sich und ich liebe die Unberechenbarkeit und Unvorhersehbarkeit dieser Ideen. Häufig erleben wir bei Besuchskindern, dass sie gar keine eigenen Ideen mehr haben, weil sie immer nur fremdbestimmt werden. Im Kindergarten: Heute Kartoffeldruck! Gut, Besuchskind setzt sich und druckt mit Kartoffeln. Morgen: Pfannkuchen backen! Gut, Besuchskind setzt sich und rührt Teig. Da ist kein Hinterfragen mehr und auch keine eigene Idee. Schade, dass man das den Kinder abtrainiert.
Freitag gab es Sandwich-Abendessen (Anregung und Rezepte aus “WissenMachtAh”): kinder haben selbständig eingekauft und den Abendtisch gedeckt. War sehr lecker und sehr entspannend für mich :-)

warum würdest du als nichterziehende mutter dich nicht hinsetzen und kartoffeldruck vorschlagen? was ist daran verkehrt? ich meine jetzt nicht als beschäftigungsmassnahme sondern eher als inspiration. ich setze mich oft hin udn fange was an zu basteln udn dann kommt das kind dazu oder eben nicht.

das ist immer eine frage der bewertung. welche werte/muster/gesetze habe ich in meinem kopf. und entsprechend wird abgewogen. manche verteufeln computer, andere finden bücher altmodisch, die einen finden basketball-sport auf dem hartplatz nicht gut, weils ja nicht in der natur ist usw usf.

mein sohn hatte die kartoffel-idee übrigens von einem löwenzahn-pc-spiel (ist schon lange her). hat uns grossen spass gemacht.
wir haben seine kreativität auch ausleben und ihn mit 9 jahren ein kulisse im wohzimmer aufbauen lassen und anschliessend ein video drehen. heute mixt er verschiedene lieder am pc zu neuen, baut beats rein, nimmt anderes raus.

ich bewerte es nicht. ich lasse ihn dabei.

@Jademond:

warum würdest du als nichterziehende mutter dich nicht hinsetzen und kartoffeldruck vorschlagen?

Weil es nicht authentisch wäre. Ich würde es nur als Beschäftigungstherapie machen. Ich will doch selbst kein Kartoffeldruck machen. Anders wäre es, wenn er sagen würde, er will irgendwas machen, weiß nicht was, oder er will irgendwas mit mir machen und hat aber noch keine Idee (das ist noch nie passiert, dass dann nicht selbst schon eine Idee hat).

was ist daran verkehrt? ich meine jetzt nicht als beschäftigungsmassnahme sondern eher als inspiration. ich setze mich oft hin udn fange was an zu basteln udn dann kommt das kind dazu oder eben nicht.

Warum meinst du, dass du deine Kinder inspirieren musst?

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